Keine Spinnweben am Kreativzentrum

Jürgen Flimm wird 75

Unvergesslich, wie Jürgen Flimm vor fast zehn Jahren Claus Peymann zur Ruhrtriennale nach Bochum einlud. Und wie sich diese beiden Helden der (Theater-) Arbeit dann in der Jahrhunderthalle abknutschten. Was eine gute Show ist, wissen diese beiden nur zu gut. Und einer von ihnen - nämlich Jürgen Flimm - wird an diesem Sonntag (17.7.) 75 Jahre alt.

BOCHUM

von Von BJ und dpa

, 15.07.2016, 19:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Keine Spinnweben am Kreativzentrum

Das Theater ist sein Leben: Jürgen Flimm

Sie sind ein bisschen weise, aber nicht leise: Die Großmeister des deutschen Theaters wie Flimm und Peymann gehören noch nicht zur Generation Aalglatt, die sich nur vorsichtig äußert, bloß um die eigene Karriere nicht zu beschädigen. "Früher war ich ein zorniger Mensch", sagt Flimm. "Heute geht´s mir so, dass ich daneben stehe und es einfach nicht fasse. Ich fasse etwa den Brexit oder Pegida nicht, ich fasse nicht, wie jemand so unvernünftig sein kann wie die AfD. Lass´mich damit in Ruhe, meine Toleranz für solches törichtes Gehabe ist aufgefrühstückt." Schon vor Jahren hatte er mal gesagt, er halte den Menschen für "dringend reparaturbedürftig".

Große Erfolge und tiefe Trauer

Die Ära des Intendanten Flimm beim Festival Ruhrtriennale war seit 2005 geprägt durch große Erfolge und tiefe Trauer. Der Fußballfreund ließ das Oratorium "Die Tiefe des Raumes" uraufführen, die Inszenierung der "Soldaten" von David Poutney wurde international erfolgreich. Dann der Schock: Die designierte nächste Intendantin Marie Zimmermann, die Flimm sogar vorgeschlagen hatte, nahm sich 2007 das Leben. Flimm, damals schon Chef der Salzburger Festspiele, rettete auch noch die Triennale-Saison 2008.

Chef der Staatsoper

Als Intendant hat Flimm, der in Gießen geboren wurde, viele Kämpfe gewonnen. Das Thalia-Theater in Hamburg hatte er bis 2000 zum am besten besuchten Schauspielhaus der Republik gemacht. Komplizierter dürfte seine Arbeit seit 2010 als Intendant der Berliner Staatsoper sein, denn dieses Flaggschiff wird seit Jahren umgebaut. Nach der Neueröffnung wird Flimm sein Amt an Matthias Schulz abgeben.

Als Regisseur hat sich Flimm, der mit seiner Frau Susanne in Kehdingen an der Elbe lebt, seine Fantasie und Leichtigkeit bewahrt. Demnächst wird er Verdis "Falstaff" in St. Petersburg inszenieren. Flimm: "Als Regisseur bin ich nicht altersweise geworden wie manch anderer, sondern altersjung, altersfrech und war sehr froh, dass sich die Spinnweben nicht um das Kreativzentrum gelegt haben."

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