Keith Haring in Essen: Schau des Pop-Art Künstlers hat dunkle Seiten

rnMuseum Folkwang

Keith Haring starb 1990. Das Essener Museum Folkwang würdigt den Kult-Künstler mit einer Riesen-Schau. Sie zeigt Lebensfreude, hat aber mit Aids, Gewalt und Krieg auch düstere Aspekte.

Essen

, 24.09.2020, 16:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit seiner Ernennung zum Direktor des Museum Folkwang sei es ein großer Wunsch gewesen, Keith Haring auszustellen, meint Peter Gorschlüter. Ein Traum, der Wirklichkeit geworden ist.

Auf 1400 Quadratmetern sind mehr als 200 Werke des amerikanischen Pop Art-Virtuosen in Essen zu sehen – von seinen Frühwerken als Kunstschüler über die „Subway Drawings“ bis hin zu den weltbekannten Strichmännchen und Hunden.

Ausstellung ist ein lebensbejahendes Erlebnis

Dabei ist es unglaublich, wie sehr Harings Werke vor Energie und Lebensfreude pulsieren. Kräftige Farben, reiche Ornamentik und vor allem immer die nötige Prise Humor machen auch das kleinste Haring-Werk zum lebensbejahenden Erlebnis.

Für Haring war die Kunst ein Weg sich auszudrücken, um gehört zu werden. Wie und womit das geschah, war zweitrangig. So malte er auf allem, was ihm unter die Finger kam: mit Kreide auf Plakatwänden, mit Bleistift auf Papier, aber auch mit teurer Tinte auf Leinwänden. Selbst Videos und Happenings gehörten zum Portfolio des in Pennsylvania geborenen Wahl-New Yorkers.

Auf Leinwänden tanzt der Künstler selbst

Auch dieser Teil von Harings Arbeit wird in Essen gewürdigt. Auf Leinwänden sind Videos des Künstlers zu sehen, ein ganzer Raum der Schau ist einem eigenen Raumkonzept Harings für eine seiner eigenen Ausstellungen nachempfunden – nur die damals engagierten Breakdancer fehlen.

All das wird zwischen riesigen Wänden und weiten Gängen präsentiert „Wir haben mit der Ausstellungskonzeption versucht, Harings urbanen Kosmos zu vermitteln und an Häuserschluchten zu erinnern“, erzählt Kurator Hans-Jürgen Lechtreck. Nur fehlen in einem Museum die Menschenmassen aus Harings Manhattan, weswegen die Ausstellungsräume mitunter etwas leer wirken.

Ellenlange „Matrix“ ist ein Hingucker

Dafür wirken Harings gigantische Werke jedoch umso besser. Allen voran der Hingucker der Schau: „Matrix“. Auf mehr als sieben Metern kreiert Haring eine einzige Reizüberflutung für den Betrachter. Zeichen und Ornamente verfestigen sich erst bei näherer Betrachtung zu bedeutungsstiftenden Figuren, und üben damit deutliche Kritik an medialen Reizüberflutung der Menschen.

Viele Werke erinnern an die Kunst der Azteken.

Viele Werke erinnern an die Kunst der Azteken. © Picture Alliance/dpa

„Matrix“ verdeutlich damit ein für Harings Werke ganz besonderes Charakteristikum: unterschwellige, erst auf dem zweiten Blick erkennbare Botschaften. Gewalt und Sex, drohende Kriege: Ernste Themen, die Haring so in Szene setzt, dass sie einen gleichzeitig zum Schmunzeln und Nachdenken bringen.

Botschaften zur Aids-Krise versteckt

Die sich hinter der bunten Pop Art des Künstlers versteckende Ambivalenz kommt besonders in seinen Werken zur Aids-Krise der 1980er-Jahre zur Geltung. In bewegenden Bildern findet hier eine weitere Figur Einzug in den „Haring-Kanon“: das „Teufelssperma“ als Sinnbild für den Virus.

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Kult-Künstler starb mit erst 32 Jahren

Trotz der comichaften Abstraktion der Motive berühren diese Werke den Betrachter. Vor allem, wenn man bedenkt, wie viel von Harings eigenen Emotionen in die Bilder hineingeflossen sein muss. Er selbst war homosexuell, verlor viele Freunde an Aids und erlag der Krankheit 1990, mit nur 32 Jahren, schließlich selbst.

Museum Folkwang: „Keith Haring“, bis 29.11.2020, Museumsplatz 1, Di-Mi 10-18 Uhr, Do-Fr 10-20 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr, Katalog: 19,95 Euro. Zeitfenster-Tickets gibt es über die Website des Museums.
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