Kent Nagano dirigiert Bernsteins letztes Bühnenwerk

Konzerthaus Dortmund

Der amerikanische Dirigent Kent Nagano war vor 30 Jahren als Leonard Bernsteins Assistent bei den Proben zur Uraufführung von "A Quiet Place" dabei; am Dienstagabend dirigierte er im Konzerthaus Dortmund das Ensemble Modern in der Kammerfassung - wegen des Pokal-Halbfinales leider nur vor mäßig besetztem Parkett.

DORTMUND

, 29.04.2015, 17:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kent Nagano dirigiert Bernsteins letztes Bühnenwerk

Dirigent Kent Nagano im Konzerthaus Dortmund

In opulenten Farben schillert und wogt der Orchesterklang in Bernsteins letztem Bühnenwerk "A Quiet Place". Nur ist der Dreiakter nach der Uraufführung kaum noch aufgeführt worden. Die Kammerfassung von Garth Edwin Sunderland bleibt zwar einiges an musikalischem Drive schuldig, ist aber deutlich praktikabeler, wenn man das Familiendrama für die Bühne retten will.

Flott und straff

Der amerikanische Dirigent Kent Nagano (Foto) war vor 30 Jahren als Bernsteins Assistent bei den Proben zur Uraufführung dabei; am Dienstagabend dirigierte er im Konzerthaus Dortmund das Ensemble Modern in der Kammerfassung. - Wegen des Pokal-Halbfinales leider nur vor mäßig besetztem Parkett.

Mit 19 Musikern und 14 Gesangssolisten war die Besetzung ungewöhnlich ausgewogen für eine Oper. Nagano führt straff und flott, in knackigen und pausenlosen 100 Minuten durch die schlanken Klänge, in denen immer dann Bernsteins Esprit wie in der "West Side Story" anklingt, wenn die Sänger über einen längeren Zeitraum arios aussingen dürfen. Aber Bernstein behandelt den kleinen Solisten-Chor vor allem am Anfang oft wie ein Instrumentalensemble, stellt Rhythmen vor Melodien, und das macht es dem Publikum schwer.

Taktstockteufel

Musik des 20. Jahrhunderts ist bei dem 63-jährigen Amerikaner, der als Hamburger Generalmusikdirektor in 20 Monaten die Elbphilharmonie eröffnen wird, in den besten Händen. Aber er ist nicht ein Taktstockteufel wie Yannick Nézet-Séguin oder Andris Nelsons, der das Publikum mit großen Emotionen vom Sitz reißt. - Mehr ein kühler, sehr präziser Dirigent.

Tolle Solisten für die Mitglieder der zerbrochenen Familie hatte diese Aufführung, allen voran Siobhan Stagg als Dede und Benjamin Hulett als Francois. - Alles noch keine großen Namen, aber Sänger, denen man eine große Karriere zutraut. Großer Jubel - das war ein Abend nach Maß für das Konzerthaus-Motto "Stell Dich der Klassik".