Kernkompetenz statt Nachhilfe

Die Angst vor dem weißen Blatt haben schon viele Schüler kennen gelernt. Hat man sie in der Schule überwunden, kehrt sie an der Uni wieder. Und kann hier die Karriere ernsthaft gefährden.

03.07.2007, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es geht nicht ja nicht darum Aufsätze zu schreiben - «das ist etwas völlig anderes, als wissenschaftliche Arbeiten zu verfassen», sagt Otto Kruse, Leiter des Zentrums für professionelles Schreiben an der FH Winterthur und Gründungsmitglied der European Association for the Teaching of Academic Writing (EATAW). Die Organisation kam jetzt zum Meinungsaustausch an der RUB zusammen - und beklagte mangelnde Akzeptanz - bei Studierenden und Dozenten.

Kaum noch Zeit

Gabriela Ruhmann kann ein Lied davon singen. Sie leitet das Schreibzentrum der RUB - eine der vielleicht zehn Hochschulen in Deutschland, die sich um akademische Sprachförderung der Studierenden bemüht. Rund 800 im Jahr lassen sich hier «trainieren». Es könnten mehr sein, aber, so Ruhmann: «Die Studienpläne sind so vollgepfropft, dass sie sich dafür oft keine Zeit nehmen.»

Ihre Forderung deshalb: Die Schreibförderung muss in den Studiengängen verankert werden, darf nicht nur ein Nischendasein im Optionalbereich frönen. Wie wichtig eine Förderung der wissenschaftliche «Schreibe» ist, belegen Studien. Kruse schätzt danach, «dass 40 bis 60 Prozent der Studierenden Schwierigkeiten mit schriftlichen Arbeiten haben» - ganz unterschiedlich seien auch die Anforderungen der Fächer - ob Germanistik oder Physik. Im Prinzip, beklagen die Schreibhelfer, wissen viele Studierenden weder, wie sich an die Arbeiten herangehen sollen, noch ob sie richtig liegen - «es gibt kaum Feedback», so Ruhmann.

Exakt verplant

Das liegt natürlich auch an den Professoren. Denen, so stimmt man überein, mangelt es oft an pädagogischem und didaktischem Vermögen. Hinzu kommt, so Kruse, dass im Studium in Deutschland traditionell bislang die liberale Selbstständigkeitspädagogik Vorrang genoss - «mit dem Bologna-Prozess aber ist jetzt alles streng geregelt und exakt geplant.» Da bleibt für die Arbeiten keine Zeit zum Rumwuseln.

Eine bessere Kooperation der Dozenten mit den Schreibzentren ist deshalb erwünscht, stößt aber noch auf zu geringe Bereitschaft. Ruhmann muss um Anerkennung kämpfen: «Wir sind schließlich kein Nachhilfeverein, sondern wir vermitteln wissenschaftliche Kernkompetenz ». Joachim Stöwer