Kerstin Krug lässt die drei Frauen aus "Elektra" aufeinander prallen

Rottstr5-Theater

Drei Frauen, drei Lebensentwürfe, eine ausweglose Situation: Kerstin Krugs Inszenierung von Hugo von Hofmannsthals "Elektra" treibt die Geschehnisse rund um die von Rachsucht schier besessene Tochter des Agamemnon auf die Spitze.

BOCHUM

von Von Tim Stobbe

, 13.02.2013, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min
Frauen, gefangen in gegenseitiger Qual: Kerstin Krugs »Elektra«.

Frauen, gefangen in gegenseitiger Qual: Kerstin Krugs »Elektra«.

Karten für die Premiere am Montag (18. Februar) um 19.30 sind noch erhältlich. Reservierungen können via E-Mail an oder zwischen 12 und 18 Uhr unter Tel. (0163) 761 50 71 getätigt werden.

Gemeinsam mit ihrem Liebhaber tötete sie Agamemnon – und Elektra (Theresa Palfi) musste als Kind die Tat mit ansehen. Von nun an ist sie vom Gedanken der Rache besessen, verzehrt sich dadurch. Ihre Mutter hingegen hat die Geschehnisse rund um die Bluttat verdrängt. Und dann ist da noch Chrysothemis (Isabelle Barth), Elektras Schwester, die von all dem ebenfalls nichts wissen will und sich – etwas naiv – von Herzen eine eigene Familie wünscht, mit der alles besser werden soll. Hofmannsthal und auch Sophokles, der die antike Vorlage lieferte, erlösen zumindest Elektra, indem sie den fortgegangenen Bruder Orest als Vollstrecker ihrer Rache auftreten lassen. Doch Regisseurin Kerstin Krug ist das zu platt: „Eigentlich ist Orest eine ziemlich unspannende Figur, ohne Krisen, ohne Entwicklung.“ Wie in einem Dampfkochtopf lässt sie daher die drei Frauen gefangen am Hofe garen, ihre Ambitionen, ihre Wünsche und Lebensentwürfe stetig aufeinander prallen.

Ein Retter von außen wäre nur störend, meint Krug: „Der Konflikt muss aus dem Konflikt selbst heraus gelöst werden.“ Seit 15 Jahren quälen sich alle drei also gegenseitig. Nur um festzustellen, dass die Quälerei der anderen ihr Lebensinhalt geworden ist. Ohne den sie selbst nicht mehr leben könnten, ihres Lebensinhalts beraubt – eine Änderung des Originalstoffes, der in diesem Punkt etwas an Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ erinnert. Versinnbildlicht wird das Stagnieren, das innere Gefangensein, auch durch Lisa Balzer als Klytämnestra, die in etwa genau so alt ist wie die beiden anderen Schauspielerinnen auf der Bühne. Denn sie hat sich nicht entwickelt, ist innerlich stehen geblieben seit dem Mord an Agamemnon und seitdem ist sie im Grunde so alt wie ihre Töchter – zumindest bis eine der drei Frauen beschließt, das Schicksal der Familie zu besiegeln.

Karten für die Premiere am Montag (18. Februar) um 19.30 sind noch erhältlich. Reservierungen können via E-Mail an oder zwischen 12 und 18 Uhr unter Tel. (0163) 761 50 71 getätigt werden.