Luis (2) starb einen grausamen Hitzetod – Vater schweigt und zeigt vor Gericht keine Regung

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Ein zweijähriger Junge stirbt in seinem total überhitzten Kinderzimmer. Jetzt steht der Vater wegen Mordes vor Gericht. Zu den Vorwürfen äußert er sich beim Prozessauftakt nicht.

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, 05.03.2020, 16:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 32-jährige Benjamin S. soll seinen zwei Jahre alten Sohn an einem der heißesten Tage im Juli 2019 so lange eingesperrt haben, bis dieser qualvoll starb. Als er gefunden wurde, lag Luis auf dem Bauch vor seinem Bett. Stundenlang muss der Junge gegen die Hitze und den Durst angekämpft haben. Dann konnte sein kleiner Körper nicht mehr.

Bei der Obduktion der Leiche stellten die Rechtsmediziner eine starke Hirnschwellung und deutliche Zeichen eines Flüssigkeitsmangels fest. „Hitzeschock“, steht in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Verteidiger hält die Anklage für „höchst spekulativ“

Benjamin S. hörte am Donnerstag dieses Wort – und zeigte keinerlei Regung. Selbst wollte er nicht mit den Richtern sprechen. Das überließ er seinem Verteidiger Bernd Kachur. Der Rechtsanwalt wies den Vorwurf des Mordes aus Grausamkeit zurück, sagte stattdessen: „Mein Mandant ist jemand, der auf tragische Weise sein Kind verloren hat.“ Dass die Staatsanwaltschaft dem 32-Jährigen unterstellt, den Jungen aus Bequemlichkeit nicht versorgt und stattdessen in dem völlig überhitzten Zimmer eingesperrt zu haben, hält Kachur für „höchst spekulativ“.

Als Luis starb, war seine Mutter nicht zu Hause. Die 23-Jährige hatte sich schon Wochen zuvor von Benjamin S. getrennt und war mit einem anderen Mann zusammengekommen. Die Frau wusste, dass Benjamin S. die innere Klinke der Kinderzimmertür abmontiert hatte, um Luis daran zu hindern, nachts durch die Wohnung zu laufen. Sorgen machte sie sich aber nicht. „Eigentlich war er kein schlechter Vater“, sagte sie am Donnerstag den Richtern. „Nur vor Luis hat er sich geekelt, das hat er mir selbst einmal gesagt.“

Das Jugendamt hat dem Paar die anderen beiden Kinder weggenommen

Geekelt haben sich auch die Sanitäter und Polizisten, als sie den toten Jungen aus der Dachgeschosswohnung holten. Überall lagen Essensreste und volle Windeln herum, am Kinderbett klebten Fäkalien. Die Mutter will über den Zustand der Räumlichkeiten selbst überrascht gewesen sein. „Als ich ging, sah es nicht so aus“, behauptete sie.

Die beiden weiteren Kinder des Paares – zwei Mädchen im Alter von fünf und zwei Jahren – hat das Jugendamt ihr inzwischen trotzdem weggenommen. Die 23-Jährige will sich damit aber nicht abfinden. „Ich werde bestraft, weil ich meine Kinder nur noch einmal im Monat sehen darf“, sagte sie in ihrer Zeugenaussage. „Dabei würde ich alles für meine Kinder tun.“

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