Kinder gehen auf Zeitreise ins Mittelalter

Grafschafter Museum Moers

Wer einmal Bubenkönig war, in einer mittelalterlichen Stadt für Recht und Ordnung gesorgt hat, der vergisst das nie, sagt Diana Finkele, Leiterin des Grafschafter Museums Moers. Der Musenhof, betreut vom Museum, macht Zeitreisen möglich - und ab und an kommen Kinder an den Pranger.

MOERS

, 28.12.2015, 11:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kinder gehen auf Zeitreise ins Mittelalter

Auf dem Musenhof darf sich der Nachtwächter auch mal als Schmied versuchen.

Der Pranger ist ein Sitzpranger, und er steht auf dem Marktplatz der Spiel-und Lernstadt, die anfangs nur für Kinder gedacht war. "Aber dann standen die Erwachsenen am Zaun", erinnert sich Diana Finkele. "Sie wollten auch hinein, unbedingt." Also hat das Museum Familiennachmittage eingeführt.

Die Idee, eine Lernstadt zu bauen, war 2007 aufgekommen, nach der Ausstellung "Stadt im Mittelalter", bei der Kerker, Plumpsklo und Marktplatz im Museum aufgebaut waren. "Da haben wir festgestellt, dass die Kinder die Führungen hätten übernehmen können, nachdem sie einmal in Rollen geschlüpft waren", sagt Finkele.

Ansturm der Ritter

2010, nach Erfolg bei einem Wettbewerb zur Städtebauförderung, war der Musenhof dann bereit, von Rittern und ihren Zeitgenossen gestürmt zu werden. Eingezäunt steht da jetzt eine idealtypische Nachbildung des Kernbereichs der Stadt Moers im Mittelalter mit Marktplatz, Schmiede und Bäckerei.

Inzwischen wird die Lernstadt (Saison: April bis Ende Oktober) jährlich von über 20000 Besuchern eingenommen. Sie machen bei Rollenspielen oder Erlebnisführungen mit "und manchmal grenzt es an einen Belagerungszustand", sagt Finkele.

Safran für den Wert eines halben Pferdes

Wer den Musenhof betritt, der darf alles anfassen, alles ausprobieren: sei es der Pranger, die Hellebarde oder der Feuerstein. Und wer anschließend einen Blick ins Grafschafter Museum imMoerser Schloss wirft, der sieht, wie diese Grafen aussahen, die ihre Bediensteten einst anwiesen, Safran für den Wert eines halben Pferdes auf dem Moerser Marktplatz zu kaufen.

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Auf dem Musenhof ins Mittelalter reisen

Wer einmal Bubenkönig war, in einer mittelalterlichen Stadt für Recht und Ordnung gesorgt hat, der vergisst das nie, sagt Diana Finkele, Leiterin des Grafschafter Museums Moers. Im Musenhof, betreut vom Museum, wird Geschichte greifbar – und beizeiten kommen Kinder an den Pranger.
28.12.2015
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Der Musenhof in Moers.© Foto: Sandra Heick
Die Kinder können in mittelalterliche Rollen schlüpfen,© Foto: Sandra Heick
Jona mit einer Hellebarde.© Foto: Sandra Heick
Wer auf dem Sitzpranger sitzt, hat es nicht leicht.© Foto: Sandra Heick
Wer sich nicht an die Regeln hielt, kam in den Kerker.© Foto: Sandra Heick
Ein Maulaffe.© Foto: Sandra Heick
Lea mit einem Maulaffen. Viele Sprichwörter, die wir verwenden, stammen aus dem Mittelalter.© Foto: Sandra Heick
Monika Hanewinkel engagiert sich ehrenamtlich auf dem Musenhof.© Foto: Sandra Heick
Jona testet mit der Nase, ob die Kerze hochwertig ist.© Foto: Sandra Heick
Feuer ist nicht in jedem mittelalterlichen Gebäude erlaubt.© Foto: Sandra Heick
In der mittelalterlichen Schmiede.© Foto: Sandra Heick
Schmiedekunst.© Foto: Sandra Heick
In der mittelalterlichen Schmiede.© Foto: Sandra Heick
Lea versucht, Feuer zu machen.© Foto: Sandra Heick
Funken ohne Feuerzeug zu entzünden, ist nicht ganz einfach.© Foto: Sandra Heick
Marco als Stadtwache.© Foto: Sandra Heick
Der Nachtwächter schaut, ob nachts alle Türen zu sind und kein Unhold für Tumult sorgt.© Foto: Sandra Heick
Jonte und Justus haben sich in mittelalterlichen Outfits gekleidet.© Foto: Sandra Heick
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Auf dem nachgebildeten Marktplatz des Musenhofes werden die Kinder beizeiten in die Irre geführt. Aber sie merken recht schnell, wenn etwas faul ist. Kartoffeln im Mittelalter? Die kamen doch erst im 16. Jahrhundert nach Europa! Kolumbus musste erst einmal den Seeweg nach Amerika entdecken, von wo die Kartoffel stammt.

Zu kleines Brot gebacken

Und dann wird der Bäcker plötzlich beschuldigt, zu kleines Brot gebacken zu haben. Was folgt, ist eine "Ehrenstrafe": Das Kind, das den Bäcker mimt, kommt an den Pranger, wird beschimpft - und ist erleichtert, dass die Eier auf dem Musenhof nicht faul, sondern aus Plastik sind. Und nicht geworfen werden dürfen.

Die Turmwache hält indes Ausschau, ob ein Ungemach auf den Musenhof zukommt. Wenn jetzt auch noch der Feind ins Blickfeld rückt oder ein Narr antanzt, dessen Possenspiel grad nicht gewünscht ist, würde es doch ein bisschen zu bunt werden.

Nachtwächter ist oft ein Geburtstagskind

Zeitgleich schaut sich der Bubenkönig als Polizist des Mittelalters um, ob die Bestrafung des Bäckers abschreckend genug gewesen ist und kein Stadtbewohner mehr Schabernack treibt.

Ganz besonders beliebt sind die Rolle des Ritters und des Burgfräuleins; und wer die Laterne des Nachtwächters tragen darf, der trägt sie selten ohne Stolz. Oft ist das ein Geburtstagskind.

Der Musenhof ist ein Ort, an dem man sich ins Mittelalter zurückdenken kann - eine kleines Zeitmaschine, die ganz ohne Hightech funktioniert.

Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren können samstags von 10 bis 13 Uhr auf den Musenhof kommen, wo sie von Pädagogen betreut werden.
Samstags von 15 bis 18 Uhr dürfen auch Familien auf dem ins Mittelalter eintauchen.