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Kinder mit "Fast Food" abgespeist

ASSELN Viel ist die Rede von gesunder Ernährung, die schon im Kindesalter beginnen soll. Die Realität an der Hellweg-Grundschule sieht anders aus. Seit drei Wochen gibt es Fertiggerichte. Der Grund: Das Gesundheitsamt hat Hygienemängel in der neuen Küche festgestellt. Und Produkte aus dem Schulgarten dürfen mangels Spülbecken nicht auf den Teller.

von Von Uwe Brodersen

, 02.11.2007
Kinder mit "Fast Food" abgespeist

<p>Julia muss mit "Fast Food" vorlieb nehmen.</p>

Die Nerven bei Schulleiter Ulrich Sommer liegen blank. "Bis jetzt haben wir das Essen von Appetito bekommen. Wir haben es in der Küche aufgetaut, erhitzt und portioniert. Das dürfen wir jetzt nicht mehr." Ulrich Sommer fährt jeden Morgen zum Discounter, holt 80 Portionen Fertiggerichte.

Eine Ärztin des Gesundheitsamtes hat die Benutzung der erst drei Jahre alten Schulküche untersagt, da diese keine Dunstabzugs-Vorrichtung und kein Handwaschbecken für das Küchenpersonal habe, berichtet der Schulleiter. Von seinem Stress sollen die Kinder nichts mitbekommen. Darum spielt er mit ihnen Restaurant, übernimmt die Funktion des Kellners.

CDU und Schulleiter üben Kritik an der Verwaltung

Die Situation schilderte er der CDU-Fraktion im Schulausschuss, die am Freitag vor Ort war. "Es ist doch ein Fehler der Verwaltung, dass hier Hygiene-Vorschriften nicht eingehalten wurden", meinte Walter Knieling, Unions-Fraktionssprecher im Schulausschuss. "Denn die Immobilienwirtschaft hat die Küche doch vor drei Jahren abgenommen." Auch CDU-Ratsvertreter Heinrich Mause reagierte mit Kopfschütteln: "Nicht der Schulleiter, sondern die Verwaltung, die dies zu verantworten hat, sollte die Mahlzeiten anliefern." Die Union will die Lage an der Hellweg-Grundschule zum Thema in der nächsten Schulausschuss-Sitzung Ende November machen.

Garten-Gemüse kommt nicht bis auf den Teller

Die Voraussetzungen für eine gute Ernährung sind an der Schule, Am Petersheck 9, gegeben. Sie verfügt über einen schönen Schulgarten, in dem Tomaten, Salate, Wirsing, Kräuter und demnächst auch Kartoffeln wachsen. Das Problem: Da ein eigenes Waschbecken fehlt, dürfen die Kinder die eigenen Naturprodukte im Speisesaal nicht essen.

"Das ist doch völlig widersinnig", kritisiert Ulrich Sommer. "Auf der einen Seite fördert die Stadt Schulgärten, auf der anderen Seite will sie einen reinen Kantinenbetrieb mit Fertiggerichten." Gerne würde der Rektor auch Bioprodukte für seine Schüler beziehen, doch scheitert das bisher am Geld, eine Mahlzeit würde pro Kind 3 statt 2 Euro kosten.

Keines der zuständigen Stadtämter war am Freitagnachmittag für eine Stellungnahme zu erreichen.

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