Kinder und Jugendliche haben bei der U-18-Wahl schon gewählt

Erschreckende Prognose

Neun Tage vor der eigentlichen Bundestagswahl durften sich Freitag, 13. September, bereits Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren an den Wahlurnen behaupten. In insgesamt 32 Wahllokalen fand die erste flächendeckende Bochumer U18-Wahl statt. Die Wahlbeteiligung war hoch, die erste Prognose jedoch äußerst erschreckend.

BOCHUM

von Von Friederike Mang und Marcel Mund

, 13.09.2013, 18:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Wahlscheine für die U18-Wahl sind eine Kopie der Originale für die Bundestagswahl - mit dem deutlichen Zusatz "Muster U18-Wahl".

Die Wahlscheine für die U18-Wahl sind eine Kopie der Originale für die Bundestagswahl - mit dem deutlichen Zusatz "Muster U18-Wahl".

Die Wahlergebnisse sind trotz oder vielleicht gerade wegen der niedrig gehaltenen Kriterien aussagekräftig. Andernorts ließen sich bereits bei vergangenen U18-Wahlen Tendenzen erkennen. Bevor beispielsweise die Piratenpartei auf Bundesebene bekannt wurde, tauchte sie bei der U18-Wahl mit höheren Prozentzahlen auf. Die Schüler der Liselotte-Rauner-Schule wurden auf die Wahl im Unterricht vorbereitet. „Wir haben über Demokratie, Erst- und Zweitstimme sowie Überhangsmandate gesprochen“, sagte Lehrer Meinhard. Sich weiter über die Parteien zu informieren war zum Beispiel Bestandteil der Hausaufgaben der älteren Schüler. Einige Jugendliche setzten sich so erstmals ernsthaft mit dem Thema Politik auseinander. Zuvor fühlten sich viele Kinder und Jugendliche von vornherein schlecht informiert und distanzierten sich zu politischen Themen.

Häufig fühlten sie sich auch zu jung – ihre Stimme war nicht verlangt. Durch die schulischen Vorbereitungen und die Aussicht auf eine aktive Wahl fühlten sich nun doch mehr Schüler als erwartet motiviert, an der „Probe-Wahl“ teilzunehmen und eine politische Aussage zu treffen. „Wir haben unsere Schüler in dieser Sache sehr ernst genommen“, sagte Meinhard. Und auch die Wahl an sich verlief genauso wie eine offizielle Wahl. Ihr Kreuzchen machten die jungen Wähler auf Kopien der Original-Wahlscheine. Einziger Unterschied: Die Wahlscheine wurden als „Muster U18-Wahl“ gekennzeichnet. Und natürlich lief die Wahl absolut geheim ab. Entsprechend standen im Wahllokal der Schule die bekannten Wahlkabinen. Wer seine zwei Kreuzchen gemacht hatte, warf den Wahlschein in die Wahlurne.

Rolf Geers, Geschäftsführer des Kinder- und Jugendrings und Organisator der U18-Wahl, zeigte sich äußerst zufrieden mit der Wahlbeteiligung. Über 1000 Schüler hätten an der Wahl teilgenommen. Erste Prognosen am Nachmittag sahen die SPD als stärkste Kraft, gefolgt von der CDU. Wie erwartet gewannen auch die kleineren Parteien kräftig an Stimmen. Genaue Prozentangaben sollten am Abend veröffentlicht werden.Doch eines wurde schon im Laufe des Tages klar: Auch auf die NPD entfielen viele Stimmen. „Mehr als wir befürchtet haben“, sagte Geers. An einer Schule hätten über 70 Schüler die rechtsradikale Partei gewählt. „Äußerst erschreckend“, so Geers.