Kinder wurden von "Jugend musiziert" enttäuscht

Fehler der Organisation

Stella Strauß aus Bochum, Lilith Schart aus Unna und Cynthia Torka aus Dortmund sind elf Jahre alt. Und sie können toll singen. Beim Regional- und Landeswettbewerb "Jugend musiziert" hat es für das Vokaltrio jeweils für den ersten Preis gereicht. Es gab Urkunden und Glückwünsche. Die Vorfreude auf den Bundeswettbewerb war riesig. Doch dann kam der Skandal.

DORTMUND

, 25.04.2016, 15:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kinder wurden von "Jugend musiziert" enttäuscht

Stella Strauß, Lilith Schart und Cynthia Torka mit Klavierbegleiterin Tonja Möglich im Konzerthaus Dortmund. Das Trio singt bei der Chorakademie am Konzerthaus.

Freunden und Verwandten haben die Kinder stolz von ihrem Erfolg erzählt. Die Enttäuschung kam per Mail: "Ihr dürft doch nicht zum Bundes-Wettbewerb fahren, weil Ihr zu jung seid", schrieb das Projektbüro des Wettbewerbs. Warum? Die Kinder hatten doch alles richtig gemacht.

Anmelden für "Jugend musiziert" kann man sich nur im Internet. Dort haben die Sängerinnen, die bei der Chorakademie in Dortmund singen, ihr Alter angegeben. Und auch das von ihrer Klavierbegleiterin Tonja Möglich. Die ist 19 Jahre alt. Und genau das ist das Problem. Anders als bei Instrumentalensembles wird nämlich bei Vokalgruppen das Alter des Pianisten nicht mitgerechnet.

Fehler im Computerprogramm

Die Kinder hätten also in der Altersgruppe 2, bei den Jüngeren, starten müssen, wo es keine Weiterleitung zum Bundeswettbewerb in Kassel gibt - aus Fürsorge, weil die Kinder zu jung sind. Eingestuft wurden sie von dem Computerprogramm aber in Altersgruppe 3, und in der haben sie auch gesungen. Und 23 von 25 Punkten bekommen.

"Das ist eine etwas sperrige Regelung. Es hätte schon beim Regional-Wettbewerb auffallen müssen, und mir ist es auch durchgegangen. Das tut uns wirklich sehr leid", bedauert Michael Bender, Projektleiter des Landeswettbewerbs: "Es hätte Vielen passieren können. Wir werden auf jeden Fall noch mal einen Programmierer auf das Anmeldetool ansetzen."

Brief an Joachim Gauck

Das nützt Stella, Lilith und Cynthia nichts. Die Kinder waren traurig und enttäuscht. Aber dann haben sie gekämpft und an Bundespräsident Joachim Gauck geschrieben, denn der ist Schirmherr des Wettbewerbs: "Lieber Herr Gauck, wir dürfen nicht in Kassel starten, weil den Organisatoren ein Fehler bei unserer Meldung unterlaufen ist. Das ist total ungerecht! Wir haben uns die Teilnahme durch unsere Leistung verdient."

Auch der Bundesausschuss-Vorsitzende von "Jugend musiziert" bekam so einen handgeschriebenen Brief.

Gauck hat geantwortet: "Super, dass Ihr mich angeschrieben habt. Ich frage bei den Organisatoren mal nach."

Kompromiss: Auftritt bei den Besten in Köln

Das hat er getan, und jetzt gibt es einen Kompromiss: Zwar darf das Trio immer noch nicht beim Bundeswettbewerb starten, aber es darf am 29. Mai in der Kölner Philharmonie beim Konzert der besten Bundessieger aus NRW singen.

Eine neue Urkunde für die Altersklasse 2, auf der die gute Leistung gesondert gewürdigt wird, bekommen die Kinder auch.

Als Team gekämpft

Damit sind sie zufrieden. "Wir wollen nichts geschenkt, wir wollen nur zeigen, dass wir gut sind", sagen die Kinder, die als Team über den Wettbewerb hinaus gekämpft haben. In drei Jahren gibt es bei "Jugend musiziert" wieder einen Wettbewerb für Vokalensembles. Stella, Lilith und Cynthia wollen dabei sein. Und zum Bundeswettbewerb fahren. In der Altersklasse 3.

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