Kinderärzte stöhnen wegen Grippe-Hysterie

Überlastung

WITTEN "Das können wir nicht mehr lange durchhalten, und der Winter hat noch nicht einmal angefangen", stöhnt Dr. Theodora Polichronidou. Der Praxisbetrieb der Kinderärztin in der Marktstraße 1 droht unter dem Ansturm besorgter Eltern zusammenzubrechen.

von Von Andreas Tietz

, 11.11.2009, 09:48 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die "Neue Grippe" erkennt Theodora Polichronidou inzwischen auf den ersten Blick. Dieser Junge hat - wie die meisten untersuchten Kinder - aber lediglich eine Erkältung.

Die "Neue Grippe" erkennt Theodora Polichronidou inzwischen auf den ersten Blick. Dieser Junge hat - wie die meisten untersuchten Kinder - aber lediglich eine Erkältung.

Sie bittet, mit den Kindern erst zum Arzt zu gehen, wenn es ihnen erkennbar schlecht geht: "Wir haben sonst keine Zeit für die echten Notfälle. Erst gestern hätten wir beinahe ein Kind übersehen, das eine Murmel verschluckt hatte." Auch die von vielen Eltern verlangten Abstriche zum Test auf die "Neue Grippe", wie Polichronidou die Erkrankung lieber nennt, könne sie nicht durchführen: "Wir dürfen solche Tests nur an Risikopatienten durchführen, also beispielsweise an Kindern, die an Asthma, Herz-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen oder Immunschwäche leiden."

Auch sei es eine Fehlinformation, dass Schulen oder Kindergärten solche Tests verlangen. Grund zur Panik besteht nach Beobachtung von Dr. Theodora Polichronidou, die auch Sprecherin der Kinderärzte im Ennepe-Ruhr-Kreis ist, bislang ohnehin nicht: Bislang ist kein schwerer Verlauf der "Neuen Grippe" bekannt geworden, meist ist nach ein bis zwei Wochen alles überstanden. "Die meisten Eltern sind aber falsch informiert", stellt die Ärztin fest. Sie und ihre Kollegen wollen darum jetzt Infoveranstaltungen anbieten. Impfen lassen kann man Kinder ab der kommenden Woche bei Dr. Polichronidou und vier weiteren Wittener Kinderärzten.