Kinderkrankheit verbreitet sich wegen Corona: „MIS-C ist auch in Deutschland relevant“

Coronavirus

Aktuelle Studien zeigen, dass das Coronavirus bei Kindern eine Entzündungskrankheit auslösen kann. MIS-C kann dabei zu schweren Schäden am Herzen führen. In Deutschland wurden 50 Fälle seit Mitte Mai bestätigt.

Berlin

10.09.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass die neue Kinderkrankheit MIS-C zu schweren Schäden am Herzen führen kann.

Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass die neue Kinderkrankheit MIS-C zu schweren Schäden am Herzen führen kann. © picture alliance/dpa

Mehrere ausländische Studien weisen darauf hin, dass die neue Kinderkrankheit MIS-C (Multisystem Inflammatory Syndrome in children) zu schweren Schäden am Herzen führen kann. Auch in Deutschland besorgt das die Mediziner – sie rechnen mit steigenden Fallzahlen, weil die Entzündungskrankheit mit dem Coronavirus zusammenhängen könnte.

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) Ingeborg Krägeloh-Mann sagte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, dass die Studien auch Aussagekraft für Deutschland hätten – in einer der Studien seien auch zwei deutsche Kinder einbezogen worden.

„MIS-C ist ein Hyperinflammations-Syndrom – wie etwa auch das Kawasaki-Syndrom. Diese treten typischerweise nach Infektionen auf – das Immunsystem wird dadurch getriggert, pathologisch hochgefahren sozusagen“, erklärt Krägeloh-Mann. Dadurch reagiert das Immunsystem über. „Es war eigentlich zu erwarten, dass bei der Coronavirus-Pandemie solche Fälle vermehrt auftreten“.

MIS-C kommt auch in Deutschland vor

Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) erhebt seit März 2020 deutschlandweit die Daten aller hospitalisierter Kinder mit COVID-19 – seit Mai auch die Fälle von Kindern, die an MIS-C erkrankt sind. Reinhard Berner, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Dresden und Koordinator des DGPI glaubt, dass „MIS-C in jedem Fall auch in Deutschland relevant ist und es auch bleiben wird.“ Dem DGPI seien seit Mitte Mai etwas über 50 Fälle der Kinderkrankheit gemeldet worden.

„Wieviel Prozent der an Covid-19 erkrankten Kinder später an MIS-C erkranken, kann man derzeit nicht wirklich beantworten, da nicht jede SARS-CoV-2-Infektion diagnostiziert wird“, so Berner. In einer französischen Studie sei eine Häufigkeit von etwa 20 Erkrankungen pro 100.000 Kinder berechnet worden. Die Studie bezog sich allerdings auf alle Kinder – und nicht nur auf die mit SARS-CoV-2 Infektion.

500 Kinder erkranken jährlich an Kawasaki-Syndrom

Der Koordinator des DGPI erklärt, dass die MIS-C Fälle zunehmen würden, wenn die Fallzahlen von SARS-CoV-2-Infektionen wieder steigen. Aktuell werden in Deutschland wieder vermehrt Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet.

Auch Krägeloh-Mann stimmt zu, dass die Anzahl von Kindern, die an MIS-C erkrankt sind, mit den Coronavirus-Infektionszahlen zusammenhängen. „In Deutschland haben wir weniger Infektionen als etwa in den USA oder England – damit sind auch dazu assoziierte Probleme, wie das durch die Infektion getriggerte Multisystem Inflammations Syndrom in children (MIS-C) seltener.“

Zu den Symptomen von MIS-C gehören Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Schockzustände. Die Entzündungskrankheit, die dem Kawasaki-Syndrom ähnelt, steht seit längerer Zeit im Verdacht, mit einer Sars-CoV-2-Infektion zusammenzuhängen. US-amerikanische Mediziner haben festgestellt, dass die Krankheit auch zu Schäden am Herzen führen kann. Jährlich erkranken in Deutschland fast 500 Kinder unter fünf Jahren an Hyperinflammationssyndromen.

RND

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