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Kindheitsgeschichten und Liebeserklärungen in der Rotunde

Urban History Rewritten

Sich Bochum einmal mit dem Blick von unten zu nähern, unabhängig von großen Institutionen und Ereignissen, das war das Ziel des Schreibwettbewerbes „Urban History Rewritten“ der Literarischen Gesellschaft Bochum. In der Rotunde lasen die Autoren am Sonntag ihre Beiträge vor. Danach stand fest: Bochum hat Seele.

BOCHUM

von Von Sarina Bühmann

, 19.03.2013
Kindheitsgeschichten und Liebeserklärungen in der Rotunde

Die Irin Sarah-Jane Collins hatte sich passend zum Sankt Patricks Day in Grün gekleidet. Foto: Sarina Bühmann

Tief im Westen, da liegt sie, die Blume im Revier. Aber was macht Bochum eigentlich aus? Ein kühles Fiege Pils und Currywurst? Kohle, Stahl und Schauspielhaus? Ganz sicher. Aber: Es gibt noch so viel mehr zu entdecken. „Nenn uns deinen Lieblingsort in Bochum! Texte uns voll!“, lautete die Aufforderung an alle Schreibwütigen im Herbst 2012. Die Grundidee des Wettbewerbs stammt vom Friedrich-Bödecker-Kreis NRW, der damit an die Literarische Gesellschaft herangetreten ist. Timo Malers und Sarah Meyer-Dietrich haben das Projekt federführend betreut. Über 60 Einsendungen konnte das Projekt verzeichnen, von denen die besten 24 jetzt in der Rotunde von den Autoren selbst vorgelesen wurden.

Prof. Dr. Ralf Köhnen, Vorsitzender der Literarischen Gesellschaft Bochum, freute sich über das große Interesse an der Veranstaltung: „Heute zeigt sich die dichte und intensive Kulturlandschaft, die Bochum besitzt.“ Und die ist breiter gefächert als mancher annahm. Denn der besondere Charakter Bochums wird gerade in vielen individuellen Blicken sichtbar. Einige davon konnte man in der Rotunde wortgewaltig erleben. So etwa die Hommage von Julia Sandforth an die Bochumer Rathausglocke. Eindringlich beschreibt sie diesen im Alltag oft vergessenen Gegenstand als einen geheimen Rückzugsort vor der Welt. Es wurden Kindheitsgeschichten vom Stadtpark erzählt, Liebeserklärungen an die Felder von Gerthe, an den Kemnader Stausee und das Fiege-Pils ausgesprochen. Hannah Iberer etwa wagte als Fortgezogene den Blick aus der Außenperspektive und kommt zu dem Schluss: „Gib Bochum eine Chance, Bochum liebt dich.“

Nicht nur mit den Rezeptionserwartungen, sondern auch der Belastbarkeit des Trommelfells seiner Zuhörer spielte Ulrich Schröder beim lautstarken Vortrag seines Textes „Und überall sind Kameras“. Dieser brachte ihm den zweiten Platz ein. Den dritten Platz teilen sich Julia Sandforth und Friedhelm Mikolajczak, angeführt wird die Gruppe von Honke Rambow mit „Das Hotel-Viktoriastraße 73“. Bei den Publikumspreisen gewann Alisha Pilenko den ersten Preis mit dem abgrundtief ehrlichen und amüsanten Beitrag „Integration für Fortgeschrittene“ vor Sarah-Jane Collins und Honke Rambow. Bochum hat Seele, das hat dieser Wettbewerb bewiesen.