"King Arthur" ist Held und König wider Willen

Neu im Kino

Dass Guy Ritchie sich ein Schattenboxen mit Peter Jackson liefert, merkt man gleich in der ersten Schlacht. Da treten Kriegs-Elefanten an, groß wie Berge, dazu gedacht, ihre Vettern aus dem dritten Teil von "Herr der Ringe" winzig wirken zu lassen. Bei "King Arthur" muss halt alles XXL sein.

09.05.2017 / Lesedauer: 3 min
"King Arthur" ist Held und König wider Willen

Er hat keine Lust auf den Thron, aber die Umstände zwingen ihn zum Umdenken: Charlie Hunnam als Arthur. Foto Warner Bros.

Gigantomanie gibt die Richtung vor. Bloß nicht hinter Jacksons Panoramen zurückfallen, nicht hinter den martialischen Kriegerkult von "300", nicht hinter die Titanen-Duelle griechischer Götter-Epen aus Hollywood. Weil Ritchies Held König Artus eine Sagengestalt ist, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Heimtückisches Morden im dreifach verfluchten Schottland

Sein Arthur lebt in einem diffusen Mittelalter, wo Zauberer mächtig sind. Wo die Heimtücke in Königsfamilien shakespearsches Format überschreitet, das Morden es mit "Game Of Thrones" aufnimmt, und die Gegend nach dreifach verfluchtem Schottland aussieht.

"King Arthur" kommt als monumentaler Fantasy-Comic daher. Dort gibt es das Genre "Sword & Sorcery" (Schwert und Hexerei), da fügt der Film sich gut ein, wenn auch die Damen weniger Busen zeigen als die üppigen Comic-Amazonen.

Frauen sind meist Opfer männlicher Gewalt

Ja - Frauen gibt es auch in dieser testosterongetränkten Geschichte von Verrat und Rache. Meist sind sie Opfer männlicher Gewalt: Klein Arthur, etwa sechs, sieht seine Mutter sterben, ein Bild, das ihn später im Traum verfolgt.

Sein Onkel (Jude Law), der mit dunklen Mächten im Bunde steht, hat sie ermordet. Arthurs Vater (Eric Bana), seinen Bruder, hat der Schuft auch auf dem Gewissen. Dann bestieg er den Thron, auf dem Arthur sitzen sollte.

Klein Arthur wird nach flotter Revue zum Mann

In einem Boot konnte der Junge fliehen. Wie Moses treibt er flussab und wird in Londinium wenig standesgemäß im Hurenhaus aufgezogen.

Seine Kindheit als Dieb und Raufbold lässt Guy Ritchie als flotte Revue vorbeigewittern. Bis Charlie Hunnam als stolzes Mannsbild vor uns steht: Prinz Arthur fühlt sich wohl im Puff, alles prima.

Monster schlachten - ohne Krone

Der Onkel aber sucht ihn, als Jahre nach den Morden das Schwert des Bruders aus dem See auftaucht. Nur Arthur kann Excalibur aus dem Fels ziehen, also karren die Schergen des Königs junge Männer heran.

Arthur meistert die Schwertprobe - und türmt. Zum Teufel mit der Krone, er will nicht König sein! Das Volk will es, die Zauberin (Astrid Bergès-Frisbey) drängt ihn. Unser Herkules schlachtet Monster, verweigert aber die große Prüfung, bis der Onkel ihn nach Camelot zwingt.

Ritchie lässt Ironie und Witz vermissen

Ritchie serviert die nächste Schlachtplatte - mit einem Schlagetot-Impetus, der alle Ironie, den Witz und die inszenatorische Leichtigkeit vermissen lässt, die bisher die britische Marke Guy Ritchie definierten.

Ob Wikinger, ob Sensenmann, Ausländer oder Gevatter Tod - Albions mythischer Kraftkönig haut sie weg und zwingt sie in die Knie. Rule, Britannia! Ein Schelm, wer an den Brexit denkt.