Kinofilm „Victoria und Abdul“ bietet gute Unterhaltung

Im Kino

Als der Lakai der Königin ein Geschenk überreicht, treffen sich ihre Blicke. Ein kurzer Moment stillen Einverständnisses. Hier nimmt Regisseur Stephen Frears vorweg, was sich anbahnt – eine Freundschaft zwischen dem Diener und der Herrscherin über das britische Empire.

DORTMUND

, 04.10.2017, 18:13 Uhr / Lesedauer: 1 min
Victoria (Judi Dench) und Abdul (Ali Fazal)

Victoria (Judi Dench) und Abdul (Ali Fazal)

„Victoria und Abdul“ ist ein verschwenderisch ausgestatteter Kostümfilm, ein Sittenbild, ein „west-östlicher Divan“, wenn man Goethe bemüht. Königin Victoria (gut: Judi Dench) ist hocherfreut, mit dem Exoten ins Gespräch zu kommen, und der erweist sich als ihr größter Verehrer.

Die alte Dame lässt sich in Hindi unterweisen, lernt indische Schrift und ist froh, dass das Protokoll (das nach 50 Regierungsjahren nur langweilt) ihr gestohlen bleiben kann.  

Palastrevolte

Ein muslimischer Nobody vertraulich mit der Königin? Den Diener gab es wirklich, sein Draht zu Victoria ist verbürgt, weil diese Freundschaft die Aristokraten auf die Palme trieb: Unerhört! Die Queen muss verrückt sein, sich mit einem Inder abzugeben! Prinz Albert (Eddie Izzard), will eine Palastrevolte anzetteln, beißt aber bei Muttern auf Granit.  

Vom Kammerdiener steigt Abdul (Ali Fazal) zum Lehrer der Königin auf. Zwei Menschen, die auf Konventionen pfeifen und auf die Religion, das will uns etwas für heute sagen. Stephen Frears hängt die Moral nicht allzu hoch, und das ist gut. Lieber verbündet er sich mit Posse und Komödie, nicht weit entfernt von „Harold und Maude“. Gediegene Unterhaltung, dazu augenzwinkernder Humanismus.

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