Kirche als Vorbild

BOCHUM Die anstehende Schließung des hiesigen Nokia-Werkes überschattete am Samstag auch den traditionellen Ökumenischen Neujahrsempfang im Deutschen Bergbaumuseum.

von von Maren Volkmann

, 20.01.2008, 17:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die aktuelle Situation in Bochum war auch ihr Thema: Dr. Werner Müller (Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries AG), Alt-OB Ernst-Otto Stüber und Dr. Michael Schlagheck, Direktor der katholsichen Akademie „Die Wolfsburg“ (v.l.) .

Die aktuelle Situation in Bochum war auch ihr Thema: Dr. Werner Müller (Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries AG), Alt-OB Ernst-Otto Stüber und Dr. Michael Schlagheck, Direktor der katholsichen Akademie „Die Wolfsburg“ (v.l.) .

Mit der Nachricht über den Wegfall des Nokia-Standortes Bochum sei das neue Jahr leider negativ eingeläutet worden, sagte Lothar Gräfingholt, Vorsitzender des Katholikenrates. "Wir alle sind aufgefordert, unsere Solidarität zu bekunden."

Auch Stadtdechant Hermann-Josef Bittern zeigte sich über den möglichen Verlust von 2300 Arbeitsplätzen betroffen; er rief den Nokia-Vorstand auf, seine Entscheidung zu überdenken. Vor den Anwesenden im gänzlich gefüllten Vortragssaal des Museums plädierte er für Zusammenhalt: "Wir müssen in diesen Tagen an der Seite der Menschen stehen, die um ihre Existenz fürchten."

Deutliche Worte

Mit deutlichen - und nicht minder emotionalen - Worten nahm auch OB Dr. Ottilie Scholz Stellung zur momentanen Krisensituation: "Der Weggang von Nokia ist nicht nur ein finanzieller Verlust. Es hat uns schwer getroffen, wie hier mit Menschen umgegangen wird." Scholz zeigte sich schockiert darüber, dass Entscheidungen getroffen wurden, ohne dass vorher Kontakt zu den Mitarbeitern aufgenommen wurde. "Nokias Leitbild 'very human' wird hier ins Gegenteil gekehrt", kritisierte sie. "Trotz aller Nackenschläge müssen wir nach vorne schauen", forderte Scholz dennoch und schloß mit einem "herzlichen Glückauf".

In der anschließenden Gesprächsrunde, die Bochums ehemaliger Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber moderierte, ging es um die Metropole Ruhr und ihre neue Rolle. Gesprächspartner waren Dr. Werner Müller, Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries und Dr. Michael Schlagheck, Akademiedirektor der Akademie "Die Wolfsburg", der den erkrankten Weihbischof Dr. Franz Grave vertrat.

Feierliche Stimmung

Der Neujahrsempfang wollte die guten Wünsche für 2008 aussprechen und mit dem dem vortragenden Trompetentrio feierliche Stimmung verbreiten. Getrübt durch die jüngsten Ereignissen wurde die Begegnung jedoch zu einer gedämpften Solidaritätsbekundung der evangelischen und katholischen Kirche mit den Nokia-Mitarbeitern. Die Kirche präsentierte sich damit als hervorragendes Vorbild: Spontan, flexibel, solidarisch.