Kirill Petrenko zeigte, wie Ekstase klingen muss

Russisches Festival in Dortmund

Dass ein Dirigent wie Kirill Petrenko, der nur drei Dutzend Konzerte im Jahr dirigiert und den Jahrhundertring 2013 in Bayreuth leitet, sich die Sächsische Staatskapelle Dresden als Lieblingsorchester für die "Zeitinsel Rachmaninow/Skrjabin" im Konzerthaus Dortmund aussucht, hat einige verwundert.

DORTMUND

von Von Julia Gaß

, 22.04.2012, 12:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kirill Petrenko (l.) und Boris Berezovsky bei der Zeitinsel im Konzerthaus Dortmund.

Kirill Petrenko (l.) und Boris Berezovsky bei der Zeitinsel im Konzerthaus Dortmund.

Am Freitag, nach dem zweiten Orchesterkonzert des Festivals, wusste das Publikum warum. Dieses Konzert, vor allem Skrjabins "Poème de l'Extase", war schlicht sensationell und noch einmal eine Steigerung zum Konzert am Vorabend mit einer grandiosen dritten Sinfonie von Skrjabin.Pianist Berezovsky Solist war an beiden Abenden der 43-jährige, russische Pianist Boris Berezovsky. Und der demonstrierte am Freitag einen Kraftakt, spielte das Klavierkonzert von Skrjabin und das vierte Konzert von Rachmaninow hintereinander. Eine Stunde solche Klavierkonzertbrocken, gefolgt von einer Zugabe von Nikolai Medtner, dem Widmungsträger des Rachmaninowskonzerts, war eine bewundernswerte Energieleistung.Glänzender Virtuose Skrijabin spielte Berzovsky mit Noten und auch - wie am Vorabend das dritte Rachmaninow-Konzert - mehr als Sinfonie mit obligatem Klavier: Kammermusikalisch, differenziert, mit viel Klangfarbenzauber im Pianissimo-Beginn des langsamen Satzes. Mehr Kraft und Dominanz gab er dem Rachmaninow-Konzert, aber Berzovsky ist kein klotzender Tastenlöwe, sondern mehr ein feingeistiger Pianist. Und ein glänzender Virtuose, der auch zeigte, wie sehr die Rachmaninow-Konzerte in der Tschaikowsky-Tradition stehen.Energiegeladener Klangzauber

Und dann kam das "Poème de l'Extase", das Petrenko wörtlich nahm, mit 100 Musikern der Staatskapelle einen energiegeladenen Klangzauber von zum Teil ekstatischer Klanggewalt und verschwenderischer Opulenz entfachte. Wie genau der 40-jährige Pultstar arbeitet, hörte man im Totentanz-Finale, den Petrenko mit lyrischen Episoden spannend auffächerte. Vom Orchester war dieser Abend eine Glanzleistung, von Petrenko ein Sprung in die Liga der ganz großen Dirigenten. In der übernächsten Saison kommt die Staatskapelle mit ihrem Chef Christian Thielemann zurück ins Konzerthaus Dortmund.