„Kiss me, Kate“ ist ein praller, witziger Spaß

Oper Dortmund

Die Geschichte von Cole Porters "Kiss me, Kate" ist ein wenig schlicht, und nicht nur das Frauenbild ist dort mehr als antiquiert. Um das 1948 uraufgeführte, operettenhafte Musical auf die Bühne zu bringen, braucht es also eine peppige Regie und souveräne Hauptdarsteller. Beides hat die Dortmunder Produktion, die am Sonntag im Opernhaus vom Publikum einhellig bejubelt wurde.

DORTMUND

, 28.09.2015, 10:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Kiss me, Kate“ ist ein praller, witziger Spaß

Emily Newton spielt als Lilli Vanessi die widerspenstige Braut, die sich nicht zähmen lässt.

Der britische Regisseur Martin Duncan bringt Witz, Pep, viel Schwung, pralles Lebend und bunte Bilder auf die Bühne. Das passt wunderbar zu Cole Porters swingender Musik, die die Dortmunder Philharmoniker unter Leitung von Philipp Armbruster launig, zuweilen etwas laut, aus dem Graben klingen lassen.

Vier sehr originelle Bühnenbilder hat Francis O'Connor gebaut. Als Pop-Art-Version eines Renaissance-Schlösschens hat er die Kulissen für das Spiel im Spiel, in dem eine Tourneetheatergruppe Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" aufführt, entworfen.

An schiefen Hauswänden vorbei schaut man hinter die Kulissen des Theaters, in die Garderoben und auf den Theatervorplatz. Das ist raffiniert, schnell verwandelbar, bietet den Showtänzern viel Raum (tolle Choreografien: Nick Winston) und dem Publikum viel zum Schauen.

Diven-Allüren mit Herz

Aus einem Tour-LWK wird das alles in der Ouvertüre auf die Bühne gekippt. Star dieser Shakespeare-Aufführung ist die Schauspielerin Lilli Vanessi, die Ex von Theaterchef Fred Graham. Und zwischen den beiden knistert es noch mehr als zwischen den Figuren, die sie in dem Shakespeare-Stück verkörpern.

Mit zwei Amerikanern hat die Dortmunder Oper die Hauptrollen ideal besetzt: die großartige Emily Newton ist Lilli Vanessi, zeigt Diven-Allüren und Herz, ist so widerspenstig wie eine Raubkatze und später so sanft wie eine Samtpfote. Morgan Moody zeigt hübsch überzeichnet auch eine Karikatur eines Theater-Impressarios und Macho-Mannes.

Österreichische Ganoven

Ein Clou ist der Regieeinfall, die beiden Ganoven, die von Fred einen Schuldschein eintreiben wollen, mit zwei Österreichern (Fritz Steinbacher und Karl Walter Sprungala) zu besetzen. Deren Wiener Dialekt gibt dem amerikanischen Musical (englische Songs und deutsche Dialoge) eine besondere Farbe.

Dieses Tölpel-Gespann ist gnadenlos komisch. Und singen können die Erpresser auch: "Schlag nach bei Shakespeare" raten sie den Männern, wenn's nicht klappt mit der Liebe.

Hervorragend ist auch Nedime Ince als Nachtclubschönheit Lois Lane, die Fred den Kopf verdreht, aber später mit Bill (toller Tänzer und Sänger: Andreas Wolfram) glücklich wird.

Tolle Komödianten

Mit Hannes Brock als Lillis General, Johanna Schoppa als Freds Assistentin und Josef Hofmann als Harry Trevor sind auch die kleineren Rollen mit großartigen Komödianten perfekt besetzt.

Eine Operette hat die Dortmunder Oper in dieser Saison nicht auf dem Spielplan; diese Inszenierung von "Kiss me, Kate" ist ein guter Ersatz, bei dem auch Operettenfreunde nichts vermissen.

Termine: 1./4./9./ 17./23./25./30.10., 1./14./ 21.11., 2./ 19./31.12., 30.1., 7.2., 19./ 20./26.3.; Karten: Tel. (0231) 5027222.