Kissin, Rachlin und Maisky – Trio lief zur Hochform auf

Klavier-Festival Ruhr

Am Anfang eines gelungenen Kunstwerks muss nicht immer die helle Begeisterung stehen. Peter Tschaikowskis Klaviertrio in a-moll steht dafür mustergültig. Noch ein Jahr bevor er die Arbeit daran begann, hatte sich der Komponist noch strikt geweigert, sich mit dem Genre zu beschäftigen: Der Klang von Klavier, Geige und Cello, so erschien es ihm, passten überhaupt nicht zusammen.

ESSEN

von Karsten Mark

, 19.04.2016, 16:13 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kissin, Rachlin und Maisky – Trio lief zur Hochform auf

Tolles Trio: Julian Rachlin (v.l.), Misha Maisky, Evgeny Kissin in Essen.

Glücklicherweise besann sich der Maestro eines Besseren und komponierte 1881/82 eines der bis heute beliebtesten Repertoirestücke der Kammermusik. Beim Klavier-Festival Ruhr widmeten sich nun drei profilierte Solisten aus Osteuropa diesem Stück: Der Pianist Evgenny Kissin, Violinist Julian Rachlin und Star-Cellist Mischa Maisky.

Liedhafte Zurückhaltung

Die Gleichung, dass mehrere gute Solisten zusammen auch ein gutes Ensemble ergeben, geht nicht immer auf. Und auch an diesem Abend war nicht sofort klar, welche großartigen Gestaltungskräfte dieses drei Musiker zusammen freisetzen können. Denn dazu ist Franz Schuberts Trio in B-Dur, mit dem der Abend beginnt, nicht das dankbarste Stück. 

Liedhafte Zurückhaltung und ein schlanker kammermusikalischer Ton zeichnen das Werk aus. Kissin, Rachlin und Maisky spielen differenziert, klangschön und aufmerksam zusammen. Die Interpretation bleibt indes ein wenig konventionell, lässt den allerletzten originellen Dreh vermissen.

Zwei Zugaben

Die Energie der Probenarbeit indes wird sich zu einem größeren Teil auf Tschaikowskis ausladendes Variationenwerk konzentriert haben, welches zum Andenken an Nikolai Rubinstein entstand. Mit knapp 50 Minuten Aufführungsdauer erreicht es die Ausmaße einer Sinfonie.

Der Pianist ist als Virtuose gefragt. Von den nicht minder anspruchsvoll gesetzten Streichern wird eine starke Präsenz mit überaus großem Ton gefordert. Kissin, Rachlin und Maisky laufen angesichts dieser Herausforderung zur Hochform auf. Das Publikum ließ das außergewöhnliche Trio erst nach zwei Zugaben von der Bühne. Karsten Mark