Kit Armstrong wird mit Bachs Musik erwachsen

Klavier-Festival

Um seine seelische Gesundheit muss man sich keine Sorgen machen, und doch passt es zu Kit Armstrong, dass er am Dienstagabend ausgerechnet die Variationen über „Mein junges Leben hat ein End“ für sein Programm beim Klavier-Festival Ruhr in der Stadthalle Mülheim ausgewählt hat.

MÜLHEIM

von Von Karsten Mark

, 13.05.2015, 14:54 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kit Armstrong wird mit Bachs Musik erwachsen

Kit Armstrong spielte beim Klavier-Festival Ruhr in Mülheim. Als Kind beendete er in Dortmund das Festival "Next Generation 3".

So wundert es nicht, dass Armstrongs Programm kein populäres Virtuosenfeuerwerk ist, das den breiten Geschmack bedient. Bachs Goldberg-Variationen mögen dafür noch durchgehen, doch sie sind tatsächlich das „modernste“ Werk dieses Abends (abgesehen von der letzten Zugabe von Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel).

Armstrong stellt den berühmten 30 Variationen von Johann Sebastian Bach ein ähnlich strukturiertes, aber rund 150 Jahre älteres Werk des englischen Tastenvirtuosen John Bull (30 Veränderungen über das Thema „Walsingham“) gegenüber.

Ernsthaftigkeit

Hinzu kommt Musik von William Byrd, ebenfalls ein „Virginalist“ des Elisabethanischen Englands, also jemand, der fürs Virginal, ein spinettartiges Instrument, komponierte.

Ist alte Musik nun ein gutes Mittel, um ein Wunderkind-Image abzuschütteln? Zumindest signalisiert sie eine gewisse Ernsthaftigkeit, die Armstrong ganz zweifellos hat, aber eigentlich auch schon vor sechs Jahren hatte. Er ist ein Analytiker, der bei der harmonisch und melodisch einfachen alten Musik klanglich und artikulatorisch ganz in die Tiefe gehen kann.

Rein äußerlich ist Kit Armstrong der freundliche Junge geblieben, der weit weniger schüchtern spielt, als er immer noch aussieht. Seine profunde Technik rechtfertigt solches Selbstbewusstsein ohne Zweifel. Das Publikum jubelte – zu Recht.