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Kita-Kinder zaubern am Piano

Klavier-Garten

Die Kindertageseinrichtung in Weitmar nimmt wie der evangelische Kinderkarten „Arche Noah“ am Projekt „Klavier-Garten“ teil. Ein ungewöhnlicher und zugleich innovativer Ansatz, den die Stiftung Klavier-Festival Ruhr vor einigen Jahren in Italien bei der Little Piano School von Kim Monika Wright kennen gelernt und weiterentwickelt hat

BOCHUM

von Von Thomas Aschwer

, 16.02.2012
Kita-Kinder zaubern am Piano

Kleine Farbkreise auf den Tasten geben den Kindern Sicherheit

Zunächst in Essen, im zweiten Schritt im evangelischen Kirchenkreis Gladbeck, Bottrop, Dorsten – und jetzt auch in Bochum.  In Kleingruppen werden Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren auf spielerische Weise an das Klavierspiel herangeführt. Wie das konkret aussieht?

Der Zauberstab in der Hand von Musiklehrerin Alexandra Chernitsyna scheint tatsächlich Wunder zu wirken. Laurin, Niklas, Julia und ihre Spielkameraden aus der Matthäus-Kita spielen mit traumwandlerischer Sicherheit auf dem Klavier. Was für die Besucher wie Zauberei scheint, lässt sich leicht erklären. Die eigens ausgebildeten „Klavier-Garten-Lehrerinnen“ wie Alexandra Chernitsyna arbeiten mit Gegenständen, die Kinder lieben. Bunte Bälle gehören dazu. Ebenso kleine Teppichstücke in den gleichen Farben – und ganz wichtig – natürlich ein Zauberstab.

Was stört es Laurin, Niklas, Julia und die anderen Kinder, dass in dem Musikraum der Matthäus-Kita plötzlich viele Erwachsene auf den kleinen Stühlen sitzen und mit sichtlicher Begeisterung die Aktionen verfolgen. Anhand der Farben erkennen sie die Noten, treffen die Töne beim Sprung auf den gleichfarbigen Teppich – und stürmen anschließend mit Begeisterung an das eigens neu angeschaffte Klavier. Kleine Farbkreise auf den Tasten geben den Kindern Sicherheit, die farbigen Bälle ersetzen das Notenblatt. Schon geht es los.

Klingt nach viel Drill in Einzelhaft? Franz Xaver Ohnesorg, Intendant des Klavier-Festivals Ruhr, ist es ganz wichtig, mit eventuellen Vorurteilen aufzuräumen. Der Unterricht im Klavier-Garten funktioniert halt anders. Er geht nicht von der Sichtweise der Erwachsenen aus, sondern orientiert sich bedingungslos an der Welt und den Fähigkeiten der Kinder. „Es geht darum, dass die Kinder eigene Talente entdecken und entwickeln“, sagt Ohnesorg. Es sei der bewusste Gegenansatz zur Suche nach so genannten „Wunderkindern“, die später einmal die großen Hallen füllen.

Der Klavier-Garten denkt bewusst ganzheitlicher. Er setzt die Musik ein, um damit nachweislich viele Fähigkeiten zu schulen. Bei allen Teilnehmern. Auch bei den Kindern mit besonderem Förderungsbedarf. Und das ganze werde so vermittelt, dass Kinder weder Stress empfinden, noch das Gefühl haben, stupide pauken zu müssen. Viel zu schnell ist für die Gruppe die „besondere Spielstunde“ vorbei. Doch bis zum nächsten Treffen ist es zum Glück nicht lange hin. Zweimal in der Woche gibt es das besondere Angebot. Seit wenigen Wochen auch in zwei Kindergärten in der Stadt Bochum. Doch dabei muss und soll es nach dem Willen der Verantwortlichen nicht bleiben.