Klangmagier Sokolov entführte ins Paradies

Konzerthaus Dortmund

Es ist ein Wettspiel der Konzertbesucher: Wie viele Zugaben wird Grigory Sokolov diesmal spielen? Nach seinem Klavierabend am Freitag im Konzerthaus Dortmund mit Beethovens letzter Klaviersonate am Schluss hätte es dem 66.jährigen Russen wohl keiner übel genommen, wenn er gar keine Zugabe gespielt hätte, aber Sokolov hängte noch 40 Minuten dran und spielte sechs Zugabe - lange Werke wie ein Moment Musicaux von Schubert, Schumanns Arabeske, zwei Nocturnes und ein Prélude von Chopin sowie "L'indiscrete" von Rameau.

DORTMUND

, 12.03.2017, 13:13 Uhr / Lesedauer: 1 min
Klangmagier Sokolov entführte ins Paradies

Grigory Sokolov gab sechs Zugaben im Konzerthaus Dortmund.

Mit einem reinen Mozart- und Beethoven-Programm hat man den Schubert-Spezialisten lange nicht gehört. Und auch da öffnete der Pianist, der so philosophisch, vertieft und durchdacht wie kaum ein anderer in die Musik hineinkriecht, die Ohren für ganz viel Neues. Wie immer im abgedunkelten Saal.

Modulationskunst

Mozarts Sonate KV 545, jenes C-Dur-Werk, das jeder Klavierschüler einmal auf dem Notenpult stehen hatte, zelebrierte der Russe, macht es mit seinem behutsamen Anschlag zu einer Kostbarkeit. Und auch Fantasie und Sonate KV 457 (alles nahtlos aneinandergefügt) war ein Zeugnis allerfeinster Modulationskunst.

Überirdisch schön

Beethovens Metronomangaben liest Sokolov anders als ein Rudolf Buchbinder. Die Sonate op. 90 spielte er wie ein Präludium zum Gipfelwerk dieses eindrucksvollen Abends, der letzten Beethoven-Sonate op. 111. Mit so viel Tiefe und Gehalt spielen nur wenige Pianisten dieses Werk, dessen beiden Sätze ein Abbild des Diesseits und Jenseits sind. In Sokolovs eleganter, ruhiger Interpretation klang der zweite Satz paradiesisch und überirdisch schön.

 

Beim Abschlusskonzert des am 20. Juli in der Mercatorhalle Duisburg spielt Sokolov dasselbe Programm. Karten: Tel. (01806) 500803.