Klassentreffen der vom Krieg traumatisierten

Theaterpremiere

Der Krieg ist aus, doch die Wunden sind geblieben – vor allem die emotionalen. Wenn Henner Kallmeyers Inszenierung des Erich Maria Remarque Klassikers „Im Westen nichts Neues“ am Donnerstag im Theater Unten Premiere feiert, dann bleiben die Schützengräben des Ersten Weltkriegs außen vor. Stattdessen soll der Zuschauer ein intensives Kammerspiel erleben.

BOCHUM

, 24.03.2015, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Am Donnerstag feiert "Im Westen nichts Neues" Premiere im Theater Unten.

Am Donnerstag feiert "Im Westen nichts Neues" Premiere im Theater Unten.

„Ich fand es unangemessen, den Krieg auf der Bühne nachzuspielen“, sagt Henner Kallmeyer. Und so verlegt er die Handlung von der Front kurzerhand in ein Gartenlokal, wo sich die Soldaten nach dem Krieg treffen – und miteinander über Erlebtes reden. Vor allem die Frage, wie präsent der Krieg in den Überlebenden sei, habe ihn interessiert.

„Da gibt es vieles, was man nachzuholen, aber auch zu verdrängen hat“, sagt der Regisseur und erklärt, dass er für seine eher psychologische Herangehensweise an die Figuren eine drastisch verdichtete Fassung erarbeitet hat: „Auf der Bühne sind nur Figuren aus der Generation Paul Bäumers.“ Alle anderen Figuren, von Lehrern bis hin zu Ausbildern, haben Kallmeyer und sein Dramaturg Justus von Verschuer gestrichen. 

Besonders junge Besetzung

So wollen sie sich auf die Traumata der vom Krieg zerstörten Jugend konzentrieren – und wählten dafür auch eine besonders junge Besetzung. Denn „Im Westen nichts Neues“ ist die diesjährige Koproduktion des Schauspielhauses mit der Folkwang Universität der Künste und die zehn Schauspieler auf der Bühne sind allesamt im 4. Jahr ihrer Schauspielausbildung.

„Eigentlich alle schon zu alt für das Stück“, sagt Kallmeyer und erinnert daran, dass die Generation Paul Bäumer schon mit 18 Jahren in den Krieg gezogen ist. Aber die jungen Schauspieler sind dennoch dicht dran an der Gedankenwelt des Titelhelden: „Das könnte ich genauso sein“, sagt Schauspielschüler Maximilian Pulst.

Mit Soldat gesprochen

Nur die Welt des Soldatischen, sie liegt den Schauspielschülern eher fern, wie sie gleich zu Probenbeginn merkten. Da nämlich hatte Regisseur Kallmeyer einen ehemaligen Soldaten eingeladen, der nicht nur mit den Schauspielern Exerzieren übte, sondern auch von seinen Erfahrungen aus dem Kosovo berichtete.

Eine eigentümliche Situation für alle, gerade auch wegen des oft harmonischen Nebeneinanders von Kameradschaft und Kriegserlebnissen in den Erzählungen des Soldaten. Genau dieses Nebeneinander will Kallmeyer nun auf die Bühne bringen. Ob es ihm gelingt, davon können sich die Zuschauer ab Donnerstag im Theater Unten überzeugen.