Klassik auf Hochglanz: Sir Neville Marriner dirigierte im Dortmunder Konzerthaus

DORTMUND Die freien Tage der Academy of St Martin in the fields sind so selten wie Schnee im August. Und mit über 500 Aufnahmen in 50 Jahren sind die bienenfleißigen Briten eins der bekanntesten Orchester der Welt. Zum vierten Mal waren die Londoner am Sonntag in Dortmund. Und endlich, bei ihrem dritten Konzerthaus-Aufritt, auch mit ihrem Chefdirigenten und Gründer, dem 84 Jahre alten Sir Neville Marriner.

von Von Julia Gaß

, 12.01.2009, 15:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der 84 Jahre alte Sir Neville Marriner dirigierte die Academy of St Martin in the fields im Dortmunder Konzerthaus.

Der 84 Jahre alte Sir Neville Marriner dirigierte die Academy of St Martin in the fields im Dortmunder Konzerthaus.

Die Academy ist ein Hochglanzorchester, das fast ausschließlich die bekanntesten Werke spielt und diese dann aufpoliert - ohne Experimente, auf schlanken, schönen Ton bedacht, behutsam zugespitzt. Verlässlich und routiniert, gelegentlich rasant. Wie in der zweiten Zugabe, Mozarts "Figaro"-Ouvertüre. Das kann unaufregend klingen, aber die Briten bleiben sich und ihrem makellosen Spiel treu. In ihrem Programm mit Haydn, Beethoven und Mendelssohn experimentierte die Academy erst gar nicht mit Besetzungsstärken: Konstant 46 Musiker ließ Marriner musizieren - so dynamisch differenziert, wie man es von dem Elite-Ensemble gewohnt ist, so unaufgeregt und zurückhaltend konsequent straff geleitet wie es sein muss. Perfekt wie Klassik-Radio live.

Überraschung im sinfonischen Teil Die Überraschung im sinfonischen Teil war Haydns letzte Sinfonie. Die klang akzentbeladen und mit viel hörbarem Holz der Streicher und dem berühmten dominantem Blech der Academy kernig gespielt fast wie eine Nullte Sinfonie von Beethoven. Und spannender als die hochglanzpolierte, sehr viel unaufgeregtere erste Beethoven-Sinfonie am Schluss.Eine Perfektionistin mit technischer Makellosigkeit

In Mendelssohns Violinkonzert gesellte sich dann zur Brillanz des Orchesters viel Seele der Solistin Janine Jansen, einer ehemaligen "Jungen Wilden" des Konzerthauses, die wie Marriner eine Perfektionistin ist und den schönen Klang und technische Makellosigkeit über alles stellt. Trotzdem lockte sie die Academy etwas aus der Reserve, ging Phrasen mit der lauernden Angriffslustigkeit eines Raubtiers vorm Sprung an, schwelgte im Mittelsatz über der samtweichen Orchesterbegleitung in Phrasen von großer klanglicher Intensität und spielte frisch phrasiert und munter das Finale. Glänzend. Wie alles an diesem Nachmittag.