Klaus Manns „Mephisto“: Ruhmsüchtig und zerbrechlich

Schauspielhaus Bochum

Die Bühne, das Rampenlicht, die Zuschauer, der Applaus - für einen Vollblutschauspieler ist das "einfach ein gutes Gefühl, hier oben zu sein". In der zweiten Hälfte schwingt sich Daniela Löffners Inszenierung von Klaus Manns "Mephisto" am Schauspielhaus Bochum zu einer seltsam gebrochenen, revuehaften Leichtigkeit auf.

BOCHUM

, 16.05.2016, 12:42 Uhr / Lesedauer: 1 min
Raiko Küster spielt einen ehrgeizigen und zerbrechlichen Mimen in „Mephisto“.

Raiko Küster spielt einen ehrgeizigen und zerbrechlichen Mimen in „Mephisto“.

Raiko Küster steppt in der Hauptrolle von Hitlers Lieblings-Mimen Hendrik Höfgen über den mit rotem Teppich ausgelegten Steg und singt vom Glück, oben auf der Bühne im Bochumer Schauspielhaus und ganz oben auf der Karriereleiter zu stehen.

Zu diesem Zeitpunkt muss Höfgen schon eine ganze Menge ausblenden, um sich diesem Glück hinzugeben: Die Nationalsozialisten haben die Macht ergriffen, jüdische Kollegen sind ausgewandert, Otto Ulrichs, mit dem er einst das revolutionäre Hamburger Künstlertheater auf den Weg brachte, sitzt im Gefängnis.

Schlüsselroman

Klaus Mann hat seinen Roman "Mephisto" 1936 in wenigen Monaten im Exil geschrieben, auch aus der noch schwelenden Wut über den Werdegang Gustaf Gründgens’, mit dem er in jungen Jahren selbst auf der Bühne stand. Später bestand der Schriftsteller jedoch darauf, dass er kein Schlüsselroman sei und der Protagonist nur "gewisse Züge" von Gründgens trage.

Regisseurin Daniela Löffner bemüht sich nicht nur in dessen Zeichnung um Differenziertheit: Raiko Küster spielt mit Bravour einen Menschen, der in seinem Streben nach Ruhm von Ehrgeiz zerfressen und blind war, aber eben auch eine zarte und zerbrechliche, zerrissene Künstlerseele, die sich hinter der Behauptung, unpolitisch zu sein, einen Schutzraum baute.

Nummern-Charakter

Die Regisseurin will allerdings auch die verurteilende Sicht des heutigen Theaters und seiner Zuschauer auf die Geschichte aufbrechen und beginnt den Abend deshalb in der Bochumer Schauspiel-Kantine der Gegenwart: Wer ist da stark genug, seine Stimme zu erheben gegen die neuen Rechten? Wer würde so weit gehen und seine Karriere opfern, wenn die Stimmung in Gesellschaft und Kunstbetrieb umschlägt?

So sind die Mitglieder von Daniela Löffners Ensembles immer auch Versuchskaninchen, wechseln um ihr Zentrum herum Rollen und Geisteshaltungen. Das erfordert ihnen manchmal ein performatives Spiel ab, das nicht immer gelingt - und gibt dem Abend zwischenzeitlich einen zu stark zerfasernden Nummern-Charakter.

 

Termine: 20./27./ 29.5.; Karten: Tel. (0234) 33335555.

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