Klaus Staeck zeigt „Sand fürs Getriebe“ in Essen

Museum Folkwang

Das Museum Folkwang zeigt Werke des Künstlers Klaus Staeck. Einige der provokanten Plakate sind über 40 Jahre alt, doch sie wirken erschreckend aktuell.

von Sandra Schaftner

Essen

, 07.02.2018 / Lesedauer: 3 min
Klaus Staeck zeigt „Sand fürs Getriebe“ in Essen

Das Museum Folkwang gratuliert Klaus Staeck mit einer großen Plakatausstellung zum 80. Geburtstag. Foto: Kaufmann

Wer durch die Ausstellung „Sand fürs Getriebe“ von Klaus Staeck im Museum Folkwang in Essen geht, wandert durch deutsche Geschichte von 1971 bis heute. 200 Plakate in chronologischer Reihenfolge, jedes einzelne ist eine Nachricht.

Von der Autoindustrie bis zur AfD-Spitze



Staeck zeigt Missstände auf und weicht vor keinem großen Tier zurück. „Ich vergreife mich immer an den Stärksten“, sagt er bei der Pressekonferenz zwei Tage vor Eröffnung der Ausstellung. Die Mächtigen, die er auf seinen Plakaten anprangert, das waren 1973 die Unternehmer, 1980 Franz Josef Strauß, 1991 die Autoindustrie, 2016 die AfD-Spitze und 2017 Donald Trump.

Die Plakate regen durch ihre Hintergründigkeit oder Provokation erst zum Schmunzeln und Staunen an, dann auch zum Nachdenken. Schon 1976 zeigte ein Plakat männliche Abgeordnete im Parlament mit der Überschrift „Jeder zweite Abgeordnete ist eine Frau“. Warum führen wir die Debatte um Gleichberechtigung heute immer noch?

Auch viele seiner älteren Plakate für den Umweltschutz könnte Staeck aktuell genauso aufhängen. Der Künstler machte die Umwelt schon zum Thema, bevor es die Grünen gab. In den frühen 1970er-Jahren fertigte Staeck Plakate zur Vermüllung von Gewässern („Vorsicht! Trinkwasser“) und zur Luftverschmutzung an Kohlestandorten („Bis der Erstickungstod uns scheidet“).

Demokratie steht immer im Mittelpunkt



Immer im Mittelpunkt stand für ihn die Mitarbeit an Demokratie. „Ich hasse es, wenn die Menschen die Verantwortung immer auf die Politiker abschieben“, sagt der Künstler, der sich selbst einen „Störer der bestehenden Verhältnisse“ nennt. Er wurde für seine Kunst, die manchmal eine bitterböse Satire ist, in 41 Prozessen angeklagt, von denen er bis heute keinen verlor.

Schon während seines Jurastudiums entstanden Staecks erste Werke. 1956 gründete er den Verlag Edition Tangente, später Edition Staeck. Von 2006 bis 2015 war Staeck Präsident der Akademie der Künste in Berlin und ist seitdem deren Ehrenpräsident. In diesem Jahr wird er 80 Jahre alt, der Anlass für die Ausstellung.

28 Millionen Druckerzeugnisse



Sie zeigt neben 200 Plakaten 49 Grafiken und zahlreiche Aufkleber, Stempel und Taschen. Alles Originale aus den Archiven von Staeck und seinem Drucker Gerhard Steidl.

Insgesamt gibt es 28 Millionen Druckerzeugnisse der Werke des Grafikdesigners und Karikaturisten. Weniger bekannt aber genauso sehenswert sind seine plastischen Arbeiten. Das Folkwang zeigt mehrere Installationen, zum Beispiel „Sand fürs Getriebe“ (1986).


Geschichtsexkurs



Interessant ist auch der Teil der Essener Ausstellung, der die Entwicklung der Plakate zeigt. In den Anfangsjahren des Künstlers entstanden sie als Collagen aus Studiofotos, Zeitungsausschnitten und Typografie-Elementen. Staeck und Steidl schickten sich die Einzelteile mit Notizen mehrmals zu, ehe daraus ein Plakat wurde.

Die Ausstellung ist damit ein doppelter Ausflug in die Geschichte: in die Entwicklung der Plakatproduktion und die politische und wirtschaftliche Lebenswelt der vergangenen Jahrzehnte.

Folkwang Museum Essen: „Klaus Staeck. Sand fürs Getriebe“, 9.2.-8.4., Museumsplatz 1, Di/Mi, Sa/So 10-18 Uhr, Do/Fr 10-20 Uhr, Feiertage 10-18 Uhr, Katalog 20 Euro.