Kloster Gerleve in Turbulenzen – der Finanzverwalter wurde ausgewechselt

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Die Gaststätte am Kloster Gerleve in Billerbeck schreibt schon seit einiger Zeit rote Zahlen. Das hat jetzt zu Konseqzenzen geführt. Auch in der Leitung des Klosters.

von Detlef Scherle

Billerbeck

, 16.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Ort strahlt gerade jetzt im Winter Ruhe und Beschaulichkeit aus. Doch der Schein trügt. Kloster Gerleve befindet sich derzeit in Turbulenzen, die kürzlich zur Entpflichtung des Cellerars (Finanzverwalter) und zur fristlosen Kündigung eines weltlichen leitenden Mitarbeiters führten. Hintergrund sind rote Zahlen, die die Gaststätte schon seit einiger Zeit schreibt, und unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie die Schwierigkeiten überwunden werden können.

Keine allgemeine finanzielle Schieflage des Klosters

Abt Laurentius Schlieker, der neue Cellerar Pater Andreas Werner und Pater Dr. Marcel Albert als Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit der Benediktiner-Abtei, bestätigten jetzt auf Nachfrage der Redaktin diese Informationen. Sie stellten aber klar, dass es entgegen anders lautenden Gerüchten keine allgemeine finanzielle Schieflage des Klosters, das rechtlich als eingetragener Verein aufgestellt ist, gebe.

„Bestimmte Bereiche laufen mehr oder weniger gut“, erläuterte Pater Andreas – Defizite an der ein oder anderen Stelle hätten aber bislang jeweils immer wieder intern ausgeglichen werden können

Aufgabe: Kloster fit für die Zukunft machen

Schon seit Mitte 2018 diskutieren die Mönche in Gerleve über notwendige Veränderungen, um das Kloster fit für die Zukunft zu machen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Gemeinschaft wird kleiner und älter. „Nur drei der 38 Mitbrüder sind unter 50 Jahre alt“, berichtete Pater Marcel. „Hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage wurde festgestellt, dass diese nicht akut gefährdet ist, aber im Hinblick auf die künftige Entwicklung weiterentwickelt werden muss“, so der Pressesprecher.

Das habe im Jahr 2019 „zu einer Reihe von Entscheidungen“ geführt – darunter die Entpflichtung des bisherigen Cellerars Pater Thaddäus Vos. Der habe nach dieser Maßnahme um eine mehrmonatige Auszeit gebeten. „Eine normale Reaktion“, wie Abt Laurentius findet. Zurzeit hilft er in einer Pfarrei in Osnabrück aus. Die Zukunft ist noch offen.

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Um die wirtschaftlichen Belange wieder in den Griff zu bekommen, hat der Abt Pater Andreas Werner wieder zurück geholt, den er von 2016 bis 2019 als Prior-Administrator an die Abtei Maria Laach in der Eifel ausgeliehen hatte. Die hatte seinerzeit ähnliche Probleme wie Gerleve. Und Pater Andreas habe dort bewiesen, „auch betriebswirtschaftliche Prozesse gut steuern zu können“, so Abt Laurentius.

Nach Pater Andreas Angaben hat das Kloster einen Gesamt-Jahresetat von rund vier Millionen Euro, wozu das Bistum Münster etwa 1,2 Millionen Euro beisteuert. Die Abtei hat das Bistum in der aktuellen Lage um Hilfe gebeten. Der Bischof schickte einen Wirtschaftsberater, der sich alle Bereiche genau ansah und Empfehlungen aussprach – darunter auch die Neubesetzung an der Spitze der Klosterverwaltung.

Bistum will sich künftig noch stärker in Gerleve engagieren

Ein weiteres Ergebnis ist: Das Bistum will sich künftig noch stärker in Gerleve engagieren. Ziel sei es, den Ort „für die Menschen der Region als Leuchtturm zu sichern“. Das gilt vor allem für die Jugendbildungsstätte Haus St. Benedikt und das Gästehaus Ludgerirast. Abt Laurentius: „Dieser ideelle Bereich wird auch schon immer unterstützt.“ Wie viel mehr Geld aus Münster kommen wird, ist aber noch unklar.

Zuschießen will das Bistum allerdings nicht in den Bereichen, die sich selbst tragen müssen: unter anderem die Gaststätte und die Buchhandlung. Letztere läuft sehr gut. Die Gaststätte allerdings, die mit der Klosterküche zusammengelegt wurde, bereitet vor allem wegen der hohen Personalkosten Sorge. Ein Grund: Die Abtei zahlt deutlich besser als viele andere gastronomische Betriebe in der Region.

Zu viel Personal eingestellt

Und: Es ist wohl auch zu viel Personal eingestellt worden. Werden deshalb Entlassungen notwendig? „Betriebsbedingte Kündigungen konnten und sollen auch in Zukunft vermieden werden“, unterstrich Pater Marcel. Man setze auf Umstrukturierungen. Zum Fall des fristlos aus verhaltensbedingten Gründen gekündigten Mitarbeiters wollten die Klosterbrüder mit Hinweis auf ein „schwebendes Verfahren“ nichts sagen. Er hat wohl Kündigungsschutzklage erhoben.

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