Königin Silvia erlebte im Konzert südamerikanische Leidenschaft

Philharmonie Essen

Königlicher Besuch in der Philharmonie Essen: Die schwedische Monarchin Silvia von Schweden fuhr am Samstagabend mit einer Limousine vor dem Haupteingang vor, setzte sich ganz selbstverständlich auf ihren Platz im Parkett in der Reihe zwölf und lauschte dem Konzert von Gustavo Dudamel und dem Simon Bolivar Symphony Orchestra of Venezuela.

ESSEN

, 24.01.2016, 14:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war ein rein privater Besuch der schwedischen Königin, die Gast eines Essener Unternehmers war. 1700 Zuhörer im nahezu ausverkauften Haus erlebten dadurch ganz überraschend eine Monarchin, die unauffällig und ohne Protokoll Kultur genoss. Und das Publikum dokumentierte das nach der Pause mit vielen Handyfotos. Die Philharmonie Essen hat erst am Donnerstag von dem königlichen Besuch erfahren.

Pausen-Gespräch mit der Königin

In der Garderobe des Stardirigenten plauderte die Königin in der Pause mit Gustavo Dudamel und Hein Mulders, dem Intendanten der Philharmonie Essen. Danach hörte die Monarchin, die in Brasilien aufgewachsen ist, wie südamerikanische Leidenschaft bei Gustavo Dudamel klingt.

Der erst 34-jährige, charismatische Venezolaner Gustavo Dudamel, Chefdirigent des Los Angeles Philharmonic, kam in die Philharmonie Essen mit dem Orchester, das ihn groß gemacht hat und das er seit seinem 19. Lebensjahr leitet: dem Simon Bolivar Symphony Orchestra of Venezuela.

Riesige Besetzung

Mehr als 120 Instrumentalisten füllten das Podium, darunter einige blutjunge Musiker, was daran erinnert, dass dies einmal ein reines Jugendorchester war. Mit der riesigen Besetzung erzeugte Dudamel einen magischen Breitwandsound, allein elf Kontrabässe (andere Orchester haben maximal acht) unterstrichen den dunkel-satten Orchesterklang.

Das kam Strawinskys höchst expressiven Ballettmusiken "Petruschka" und "Le Sacre du Printemps" entgegen, die die venezolanischen Musiker auf ihrer Europatournee zuvor schon in London, Berlin und München präsentiert haben. Dudamel schöpfte, überraschend sparsam-souverän in den Bewegungen, aus dem Vollen.

Da wurde das bunte Jahrmarkttreiben in "Petruschka" in grellen Farben ausgemalt. Leidenschaft traf auf volle Konzentration, exzellente Bläsersolisten setzten Glanzlichter.

Rauschender Jubel

Im "Sacre" beeindruckten die energischen Rhythmen, der entfesselte Klang. Bei aller Kraft kamen die zarten, leisen Stellen nicht zu kurz.

Den rauschenden Jubel und die Ovationen des Publikums gab Weltstar Dudamel, zwischen den Musikern stehend, bescheiden ans Orchester weiter.

Das dankte mit zwei Zugaben: Im Schlussteil aus Strawinskys "Feuervogel" brillierte das Horn, und die venezolanische Hymne "Alma Llanera" von Gutierrez wurde von einem virtuosen Maracas-Spieler angetrieben. Die südamerikanische Lebensfreude der Hymne spiegelte sich in den Gesichtern der Musiker - und entließ die Zuhörer glücklich. Auch die Königin.

Lesen Sie jetzt