Händeschütteln tabu: So bleiben Sie höflich in Zeiten der Corona-Gefahr

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Wer sich vor dem Coronavirus schützen will, sollte Körperkontakt tunlichst vermeiden. Aber wie bleiben Menschen höflich ohne Händeschütteln? Eine Benimmtrainerin klärt auf.

Kreis Unna

, 04.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gib artig die Hand: Es dürfte wenige Menschen geben, für die diese Aufforderung nicht Teil der Erziehung war oder ist. Ein kräftiger Händedruck gilt als erster Ausdruck von Höflichkeit. Aber viele verzichten in diesen Tagen schon darauf: Das Risiko, sich bei einem mit dem Coronavirus infizierten Menschen anzustecken, steigt durch Körperkontakt. Die Situation, die entsteht, ist manchmal lustig, führt nicht selten direkt zu einem kurzen Smalltalk über das aktuelle Virusthema. Mitunter entsteht aber auch ein Moment des Unwohlseins. Und unhöflich möchte ja auch niemand wirken. Was ist zu tun?

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Händedruck ist gängige Begrüßung unter Erwachsenen

„Der Händedruck ist unter Erwachsenen normalerweise die gängige Begrüßung. Jemandem nicht die Hand zu geben, wird als Form von Unhöflichkeit erachtet“, bestätigt Simone Kochtokrax von der gleichnamigen Tanzschule in Unna. Sie ist zertifizierte Benimmtrainerin und bringt insbesondere jungen Menschen Grundregeln der Höflichkeit für Schule und Beruf bei. „Wer jetzt auf den Händedruck verzichten möchte“, erklärt Kochtokrax, „der sollte die Flucht nach vorn antreten.“

Benimmtrainerin rät zur Offenheit

Dem Gegenüber kommentarlos die Hand zu verweigern, sei eher ungeschickt. Stattdessen empfiehlt Kochtokrax, direkt bei der Begegnung zu erklären, dass man auf das Händeschütteln verzichten möchte, nicht um unhöflich zu sein, sondern aus Rücksicht auf die besondere Situation. Dieser Satz muss überhaupt nicht seltsam wirken. Dazu kann ein ganz einfaches Mittel beitragen, das Simone Kochtokrax unbedingt empfiehlt: Lächeln.

Tanzlehrerin und Benimmtrainerin Simone Kochtokrax zapft Desinfektionsmittel aus einem Spender in der Unnaer Tanzschule. Der Apparat hängt dort übrigens nicht wegen Corona, sondern schon geraume Zeit.

Tanzlehrerin und Benimmtrainerin Simone Kochtokrax zapft Desinfektionsmittel aus einem Spender in der Unnaer Tanzschule. Der Apparat hängt dort übrigens nicht wegen Corona, sondern schon geraume Zeit. © Raulf

Begrüßung ohne Hände ein Zeichen von Rücksichtnahme

Für viele Menschen sei es sicher am Anfang komisch einander „kontaktlos“ zu begrüßen, meint Simone Kochtokrax. „Aber das war das Rauchverbot in Gaststätten am Anfang auch. Je länger es andauert, desto normaler wird es.“ Denkbar sei, dass sich die Gepflogenheiten nun auch bei den Begrüßungsritualen umkehren. Jemand anders eben nicht zu berühren, könnte zu dem besseren Umgangston werden. Das Händeschütteln wiederum könnte eher als rücksichtslos aufgefasst werden.

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Chefs müssen Verständnis haben

Schwierig sei die Situation allerdings bei Begegnungen, die mit einer Hierarchie verbunden sind, also vor allem in der Berufs- und Geschäftswelt. Eine Grundregel der Höflichkeit sehe vor, dass der Ranghöhere dem Niedrigeren die Hand zum Gruß hinhält, nicht umgekehrt, so Kochtokrax. Sprich: Der Höhere entscheidet, ob ein Händedruck ausgetauscht wird. Chefs sollten in der jetzigen Situation auf dem Schirm haben, dass sie ihr Gegenüber in die Klemme bringen können. Besonders brisant könnten so derzeit Bewerbungsgespräche anfangen. Verspielt ein Bewerber direkt Punkte, wenn er den Händedruck aus hygienischen Gründen vermeidet?

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Kochtokrax empfiehlt, dass Ranghöhere jetzt von sich aus die Begrüßung ohne Händedruck anbieten. Zumindest sollten sie im Hinterkopf haben, dass nicht jeder die Hand geben möchte. Bewerbern beispielsweise käme das sehr entgegen.

Das Küsschen wie hier zwischen dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für viele Menschen eine gängige Begrüßung. Wer das aus hygienischen Gründen nicht möchte, sollte auch nicht in Bedrängnis gebracht werden.

Das Küsschen wie hier zwischen dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für viele Menschen eine gängige Begrüßung. Wer das aus hygienischen Gründen nicht möchte, sollte auch nicht in Bedrängnis gebracht werden. © picture alliance/dpa

Küsschen aufzwängen: nicht witzig

Auch im privaten Bereich rät die Expertin für Umgangsformen zur Rücksicht. „Man sollte immer daran denken: Was mute ich meinem Gegenüber zu?“ Privat begrüßen sich Menschen nicht nur mit dem Händedruck. Je nach dem, wie nah man sich steht, sind Umarmungen und Wangenküsschen ganz normal. Wer das im Moment nicht möchte, der sollte nicht in Bedrängnis gebracht werden, meint Kochtokrax. Sprüche wie „Stell dich nicht so an“ oder „Jetzt küsse ich dich erst recht“ seien völlig fehl am Platz. „Der Witz geht jetzt in die falsche Richtung“, sagt die Expertin.

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