Kommt bald die Corona-Schluckimpfung?

Corona-Impfung

Bald könnte es eine weitere Corona-Impfung auf dem Markt geben: Forscher der Uni Würzburg arbeiten an einer Corona-Schluckimpfung. Diese soll auf Bakterien basieren, die Antigene produzieren.

Würzburg

05.05.2021, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Corona-Schluckimpfung soll durch Kapseln in den Körper gelangen. (Symbolbild)

Die Corona-Schluckimpfung soll durch Kapseln in den Körper gelangen. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/dpa-tmn

Vor allem Menschen, die unter Trypanophobie – also der Angst vor Spritzen und Injektionen – leiden, dürfte der Forschungsansatz von Prof. Thomas Rudel zugutekommen. Der Mikrobiologe von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg entwickelt mit seinem Team und dem biopharmazeutischen Unternehmen Aeterna Zentaris eine Corona-Schluckimpfung.

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Also eine Impfung, die nicht mit der Spritze verabreicht werden muss, sondern die sich in Form einer Kapsel einfach herunterschlucken lässt. Bisher führen die Forscher noch präklinische Studien durch, das heißt, die Schluckimpfung ist noch nicht von Menschen getestet worden.

Kapseln enthalten speziellen Bakterienstamm

Die Schluckimpfung basiert auf dem Bakterienstamm Salmonella Typhi Ty21a. „Wir haben die Bakterien so programmiert, dass sie Sars-CoV-2-Antigene produzieren“, wird Rudel in einer Pressemitteilung der Universität zitiert. Die Kapsel soll die Bakterien vor Angriffen der Magensäure schützen, sodass sie im Dünndarm ihre Wirkung entfalten können. „Spezielle Zellen in der Darmwand sollen dafür sorgen, dass die Bakterien und Antigene von Immunzellen aufgenommen und in lymphoides Gewebe weitertransportiert werden.“ Dort könnten sie B- und T-Zellen aktivieren und so eine Immunantwort in Gang setzen.

Gegenüber der „Bild“-Zeitung schilderte Rudel die Wirkungsweise der Schluckimpfung wie folgt: „Der Patient schluckt eine Woche lang Kapseln mit Typhus-Impfbakterien, die Antigene gegen Coronaviren bilden. Die Darmschleimhaut nimmt die Bakterien auf, unterhalb liegende Zentren erkennen die Corona-Antigene und geben die Information an alle Schleimhäute im Körper weiter und schützen sie. Auch die Atemwegsschleimhaut.“

Schluckimpfung könnte gegen Mutationen wirksam sein

Die Schluckimpfung der Uni Würzburg soll auch vor Coronavirus-Mutationen schützen. Dazu verwenden die Forscher zwei unterschiedliche Antigene, um sicherzustellen, dass sich keine Escape-Mutanten bilden. Das zweite Antigen diene als „Sicherheitsanker“, erklärten die Forscher. Es basiere auf einem Gen, das nur selten mutiert.

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Eine Garantie dafür, dass bald eine Corona-Schluckimpfung in den Apotheken erhältlich ist, gebe es jedoch nicht, machte Rudel in der Pressemitteilung der Universität deutlich. Schließlich sei man erst noch am Anfang der Impfstoffentwicklung. Von anderen Wirkstoffen sei bekannt, dass sie selbst zu einem späteren Entwicklungsstadium gescheitert seien, weil sie eine geringe Wirksamkeit oder unerwünschte Nebenwirkungen hervorriefen. „Umso gespannter wird Rudel die kommenden Monate abwarten“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Oravax will mit klinischen Studien im zweiten Quartal beginnen

Auch das Unternehmen Oravax forscht an einer Corona-Schluckimpfung. Seine magensaftresistenten Kapseln enthalten virusähnliche Partikel, die gleich drei Strukturproteine von Sars-CoV-2 präsentieren. Präklinische Studien hätten gezeigt, dass die Schluckimpfung die Antikörper Immunglobulin G und Immunglobulin A aktivieren könne, teilte die israelische Firma Oramed Pharmaceuticals mit. Sie hatte Oravax in diesem Jahr zusammen mit dem indischen Unternehmen Premas Biotech gegründet. Klinische Studien zur Corona-Schluckimpfung sollen im zweiten Quartal 2021 beginnen.

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„Ein oraler Covid-19-Impfstoff würde mehrere Barrieren für eine schnelle, breite Verteilung beseitigen und es den Menschen ermöglichen, den Impfstoff selbst zu Hause einzunehmen“, sagte Nadav Kidron, CEO von Oramed. „Während die einfache Verabreichung heute entscheidend ist, um die Impfraten zu beschleunigen, könnte ein oraler Impfstoff noch wertvoller werden, wenn ein Covid-19-Impfstoff wie die Standard-Grippeimpfung jährlich empfohlen wird.“

RND


Der Artikel "Kommt bald die Corona-Schluckimpfung?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

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