Kommt der Negativzins für Bocholter Firmen und die Stadt?

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Die Stadtsparkasse und die Volksbank Bocholt denken über Minuszinsen für bestimmte Geschäftskunden nach. Privatkunden bräuchten nicht um ihre Ersparnisse fürchten, heißt es aber.

von Renate Rüger

Bocholt

, 05.12.2019, 12:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Früher gab es Geld fürs Guthaben auf dem Konto. Heute gehen immer mehr Banken dazu über, Geld dafür zu verlangen. Die Sparkasse Westmünsterland hat bereits vor drei Jahren Negativzinsen für bestimmte Geschäftskunden eingeführt. Auch die Volksbank Bocholt und die Stadtsparkasse denken derzeit darüber nach.

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Das betreffe nur Geschäftskunden, Privatkunden bräuchten nicht um ihre Ersparnisse fürchten, betonen sie. Treffen könnte es aber auch die Stadt als institutionellen Kunde mit hohen Einlagen. „Mich würde das nicht überraschen“, sagt Kämmerer Kai Elsweier dazu. In der Haushaltskommission waren Negativzinsen offensichtlich schon ein Thema.

Noch keine konkreten Pläne bei der Volksbank Bocholt

Bei der Volksbank Bocholt gebe es noch keine konkreten Pläne, sagt deren Pressesprecher Bernd Kleine-Rüschkamp. „Wir beobachten den Markt. Und der ist ziemlich angespannt.“ Einige Kunden hätten deshalb schon nachgefragt. Hintergrund ist die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Einlagenzinssatz, zu dem Geschäftsbanken überschüssiges Geld bei der Notenbank parken, von bisher -0,4 auf -0,5 Prozent zu senken.

Damit zahlen die Banken einen höheren Strafzins – auch wenn nun durch eine neu eingeführte Staffelung nicht mehr auf alle überschüssigen Gelder Strafzinsen erhoben werden. Etliche Banken in Deutschland reagierten darauf bereits, indem sie die Minuszinsen direkt an Kunden weitergaben.

„Wir gehen davon aus, dass größere Einlagen betroffen sind.“

„Wir müssen uns damit befassen“, sagt Stadtsparkassenchef Karl-Heinz Bollmann. Nächstes Jahr stehe das an. Die Stadtsparkasse sei bereits in einem Projekt. Selektiv werde sie voraussichtlich Negativzinsen bei Unternehmen und auch im öffentlichen Bereich erheben. „Wir gehen davon aus, dass größere Einlagen betroffen sind.“

Ab welcher Einlagenhöhe und unter welchen Bedingungen Negativzinsen erhoben werden könnten, dazu wollten sich weder Bollmann noch Kleine-Rüschkamp äußern.

Die Sparkasse Westmünsterland gebe die von der EZB berechneten direkten Kosten seit drei Jahren an einige Unternehmen, institutionelle und kommunale Anleger weiter. „Und das für den individuellen Betrag, der das übliche Guthaben für den laufenden Geschäftsbereich übersteigt“, erklärte deren Pressesprecher Robert Klein. Feste Grenzen oder Freibeträge gebe es nicht. „Das hängt immer von den Geschäften ab und wird mit den Kunden individuell besprochen.“

Negativzinsen für Privatkunden kommen nicht infrage

Individuelle Vereinbarungen treffen deutschlandweit auch die Commerzbank und die Deutsche Bank mit großen Firmen, Konzernen und ebenso „sehr vermögenden Privatkunden“, wie überregionale Zeitungen berichteten. Für die beiden in Bocholt ansässigen Sparkassen und die Volksbank kommen Negativzinsen für Privatkunden nach eigenen Angaben jedoch nicht infrage.

Über alternative Anlagemöglichkeiten wird nachgedacht

Kämmerer Elsweier denkt derweil bereits über alternative Anlagemöglichkeiten nach, um Negativzinsen für die Stadt so weit wie möglich zu vermeiden. Die Stadtsparkasse und die Volksbank Bocholt seien die „Hausbanken“ der Stadt, sagt er. Die Stadtsparkasse ist dabei auch in Trägerschaft der Stadt. CDU-Ratsherr Reiner Bones, der auch Ersatzmitglied im Verwaltungsrat der Stadtsparkasse ist, drängte bei den jüngsten Haushaltsberatungen deshalb darauf, mit der Stadtsparkasse zu reden.

Seit Jahren erwirtschafte die Stadtsparkasse einen Überschuss – im letzten Jahr waren es 1,5 Millionen Euro, erklärte der CDU-Politiker gegenüber dem BBV. Und jedes Mal habe der Rat auf eine Ausschüttung an die Stadt verzichtet. Da könne es doch nicht angehen, dass die Stadt nun auch noch Negativzinsen für ihr Guthaben zahle. „Ich persönlich bin für eine Ausschüttung“, sagte Bones.

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