Kompromiss für das Gerberviertel

HERBEDE Seit Monaten kritisiert die Herbeder Kaufmannschaft den „Masterplan Einzelhandel“, nun hat die CDU diese Kritik aufgenommen. Und sich eine Lösung ausgedacht.

von Von Christian Lukas

, 20.01.2008, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Für Herbede sei der Discounter das „Aus“, war die einhellige Meinung der Herbeder bereits im November.

Für Herbede sei der Discounter das „Aus“, war die einhellige Meinung der Herbeder bereits im November.

Im „Änderungsantrag zur Vorlage 0756/V14 Masterplan Einzelhandel“ wird sie die Bürgervertretung auffordern, nicht dem Rat des GMA-Gutachtens zu folgen, das eine Bebauung des Gerberviertels vorsieht, sondern dem Viertel vielmehr die Stellung eine „Moratoriums“ zu verleihen.

Samstagvormittag lud die Ratsfraktion der CDU Vertreter der Wittener Gewerbetreibenden zum Gedankenaustausch ins Casino an der Breddestraße ein. Ursprünglich sollte der Masterplan für den Einzelhandel vom Rat der Stadt längst beschlossen sein. Bekanntlich aber wurde diese Abstimmung Ende letzten Jahres, nicht zuletzt aufgrund von Protesten aus der Wittener Kaufmannschaft, auf den 11. Februar verschoben.

Laut Gutachten fehlt in Herbede ein Vollversorger

In den letzten Monaten ist es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen vor allem zwischen der Herbeder Werbegemeinschaft und der Politik vor Ort gekommen. Das von der GMA im Auftrag der Stadt und der Wittener Wirtschaft unter Federführung der IHK erstellte Gutachten kommt zu dem Schluss, dass in Herbede ein Vollversorger fehlt.

Da es innerhalb des „Dorfes“ rund um die Meesmannstraße keinen Platz gibt - Vollversorger benötigen etwa 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche - ist das Gerberviertel als Standort vorgesehen. Es hat jedoch keine direkte Verbindung zur Herbeder Innenstadt.

Stefan Postert von der IHK verteidigte am Samstag noch einmal den Standpunkt seiner Kammer, gleichzeitig appellierte er, die Politik möge sich möglichst geschlossen hinter den Masterplan stellen. Trotzdem war er dem Vorschlag der CDU, dem Gerberviertel einen speziellen Status zu verleihen, nicht abgeneigt.

CDU: Erst einmal ist kein großflächiger Einzelhandel vonnöten

Der Änderungswunsch der CDU wird von den Christdemokraten wie folgt begründet: „Solange der Einzelhandelsstandort Herbede vital bleibt, gibt es keinen zwingenden Grund für neuen großflächigen Einzelhandel im Gerberviertel. Der mögliche Verlust eines ganzen Stadtteilzentrums wiegt schwerer, als die laufende finanzielle Belastung für die ungenutzten städtischen Grundstücke.“

Nun sagt das Gutachten jedoch, dass es in Herbede in den nächsten Jahren Geschäftsschließungen und Kaufkraftverluste geben wird. Darum heißt es im Änderungsantrag weiter: „Falls (...) Geschäftsschließungen eintreten, muss es eine Option für den Stadtteil geben. In diesem Fall kann das Gerberviertel für Einzelhandel entwickelt werden, ohne dass ein neuer Masterplan aufzustellen ist.“

Dieser Kompromiss fand am Samstag Anklang. Es gibt zunächst keine Bebauung im Gerberviertel, sie wird aber auch nicht ausgeschlossen, falls die wirtschaftliche Situation sie erfordern sollte. Das könnte auch die Herbeder Kaufmannschaft akzeptieren, so das Ergebnis der Gespräche am Samstagmorgen.