Konsequenzen nach der Legionellen-Epidemie gefordert

Im Landtag

Mehr als 160 Erkrankte, zwei Tote: Die Ursache der Legionellen-Infektionswelle in Warstein vor zwei Jahren wird wohl nie gefunden werden. Experten haben den Fall untersucht. Die Ergebnisse präsentierte NRW-Umweltminister Johannes Remmel im Landtag. Jetzt will die Landesregierung Konsequenzen ziehen.

DÜSSELDORF

26.08.2015, 15:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Umweltministerium beschäftigt die Legionellen-Epidemie vor zwei Jahren. Foto: Jens Wolf/Archiv

Das Umweltministerium beschäftigt die Legionellen-Epidemie vor zwei Jahren. Foto: Jens Wolf/Archiv

Nach der Legionellen-Epidemie in Warstein im Jahr 2013 mit mehr als 160 schwer Erkrankten und zwei Toten zieht die Landesregierung Konsequenzen. Am Mittwoch stellte NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) in Düsseldorf die Ergebnisse von Untersuchungen mehrerer Experten vor. Demnach sollten Mediziner schneller reagieren, wenn sich Patienten mit einer atypischen Lungenentzündung melden. Zudem sollten große Kühlanlagen, die im Verdacht stehen, die Krankheitserreger zu verbreiten, registriert und mit einer Wartungspflicht versehen werden.

Ursache weiterhin unbekannt

Die vom damals zuständigen Kreis ausgesprochene Reisewarnung hielten die Experten für überzogen. Legionellen sind Bakterien, die weltweit vorkommen und auch die Legionärskrankheit auslösen können. Im vergangenen Jahr wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin 860 Fälle der Legionärskrankheit in Deutschland gemeldet. Im Jahr zuvor seien es 63 Fälle mehr gewesen, hauptsächlich wegen dem Warsteiner Ausbruch. Die Mehrheit der Erkrankungen bleibt aber unter dem Radar. Schätzungen gehen laut RKI von jährlich etwa 15 000 bis 30 000 Fällen der Legionärskrankheit aus.

Die Ausgangsquellen für die Legionellen-Epidemie in Warstein 2013 und auch für den Ausbruch der Legionärskrankheit in Jülich im vergangenen Jahr hätten nicht genau festgemacht werden können, sagte Remmel. In beiden Fällen seien aber industrielle Kühlanlagen an der Verbreitung der Erreger in der Luft beteiligt gewesen.

Gefahr minimieren

Remmel sagte, man müsse die Gefahr durch Legionellen so stark wie möglich minimieren: „Hundertprozentige Sicherheit wird es aber nicht geben.“ Legionellen kämen überall im Wasser vor. Man müsse aber verhindern, dass sie sich übermäßig vermehren.

Das Land NRW habe die Forderung nach einem Kataster und einer Wartungspflicht für große industrielle Kühlanlagen im Bundesrat durchgesetzt. „Es ist jetzt endlich an der Zeit, das umzusetzen“, sagte Remmel in Richtung der Bundesumweltbehörden. Bisher gebe es nur einen Entwurf. In Frankreich gibt bereits seit 15 Jahren eine solche Gesetzgebung.

Routinemäßige Kontrollen

Der Bonner Wasserexperte Martin Exner regte an, dass bei Patienten mit einer Lungenentzündung routinemäßig überprüft werden soll, ob diese durch Legionellen ausgelöst wurde. „Dann wissen wir, dass es eine Ursache in der Umwelt gibt und können schneller handeln.“ 

dpa