Kontrolleur würgt Fahrgast: Waren Sprachprobleme der Auslöser?

Kriminalität

Ein Fahrkartenkontrolleur in Leipzig würgte einen Fahrgast minutenlang: Das Video sorgte für Aufsehen. Waren etwa Sprachprobleme der Auslöser? Das berichten Zeugen von dem Vorfall.

Leipzig

19.07.2020, 09:28 Uhr / Lesedauer: 2 min
Was zwischen Fahrkartenkontrolle und Würgegriff passierte, ermittelt nun die Polizei.

Was zwischen Fahrkartenkontrolle und Würgegriff passierte, ermittelt nun die Polizei. © picture alliance/dpa

Das Video machte schnell die Runde: In Leipzig hat ein Fahrkartenkontrolleur einen Fahrgast gewürgt, bis dieser keine Luft mehr bekam und rot anlief. Während der Aktion kniete ein weiterer Kontrolleur auf den Beinen des Mannes. Nun hat die Polizei neue Erkenntnisse zu dem Vorfall veröffentlicht, wie die “Leipziger Volkszeitung” berichtet. Demnach könnte die Situation auch deshalb eskaliert sein, weil die beiden Fahrgäste, Touristen, kein Deutsch sprachen und die Kontrolleure kein Englisch.

Demnach seien am Donnerstag um 17.45 Uhr ein 28 Jahre alter Mann aus Australien und seine 27-jährige Begleiterin aus Island ohne Fahrschein und Ausweis in der Straßenbahn kontrolliert worden. Laut Angaben eines Mitarbeiters der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) habe sich das Paar “renitent” verhalten. Beim Ausstieg an der Haltestelle Waldplatz sei es dann zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen – was zwischen Ausstieg und dem Würgegriff am Boden, der auf dem Video zu sehen ist, passierte, wird nun ermittelt. Zeugenaussagen, Aufnahmen aus der Bahn und das besagte Video sollen bei der Aufklärung helfen.

Sprachbarriere könnte Auslöser für die Eskalation gewesen sein: “Wir sind hier in Deutschland”

In dem Video, das zwei Mitarbeiter des Leipziger Stadtmagazins “Kreuzer” verbreitet hatten, ist zu sehen, wie mehrere Menschen versuchen, den 56-jährigen LVB-Mitarbeiter davon abzubringen, den Mann zu würgen. “Hören Sie auf. Er stirbt”, sagt etwa eine Person. Mehrere Personen versuchen, den 28-jährigen Australier zu befreien oder wenigstens den Arm des Kontrolleurs zu lockern, damit der Mann wieder Luft bekommt.

Der “Leipziger Volkszeitung” sagte einer der Redakteure, der Zeuge der Aktion war, Michael Kees, dass es sich bei dem Opfer um einen Englisch sprechenden Mann gehandelt habe, der sich nur schlecht auf Deutsch ausdrücken konnte. Auch die Isländerin soll schlecht Deutsch gesprochen haben. Auf einen Hinweis, ob nicht einer der Kontrolleure Englisch mit den beiden reden könnte, um die Situation zu entspannen, soll der 56-Jährige geantwortet haben: “Ich muss kein Englisch sprechen. Wir sind in Deutschland hier.”

Betroffene Fahrkartenkontrolleure sind vom Dienst freigestellt

Anwalt Jürgen Kasek sprach auf Twitter davon, dass es sich unter Umständen um versuchten Totschlag handeln könnte. Immerhin hatte der LVB-Mitarbeiter den Australier minutenlang gewürgt, obwohl dieser zu ersticken drohte. Mehrere Passanten machten den Angreifer darauf aufmerksam.

Der LVB-Mitarbeiter sowie das gesamte Kontrolleurteam sind inzwischen vom Dienst freigestellt worden, teilten die Verkehrsbetriebe mit. “Eine solche Eskalation, wie es die Bilder im Video zeigen, ist für uns nicht akzeptabel”, hieß es auf Twitter. Man wolle die Polizei bestmöglich bei der Aufklärung unterstützen.

Leipzigs OB Burkhard Jung: “Inakzeptabel und unentschuldbar”

Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung hat sich zu dem Video geäußert. “Unglaubliche Bilder! Hier ist klar die rote Linie überschritten”, sagte er der “Leipziger Volkszeitung”. Die Aktion des Kontrolleurs sei “inakzeptabel” und “unentschuldbar”. Er forderte, dass die Fahrkartenkontrolleure besser geschult werden.

RND/msk

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