Konzert war ein Plädoyer für die Langsamkeit bei Bruckner

Dortmunder Philharmoniker

"Allegro moderato" schreibt Bruckner in die Partitur vom ersten Satz seiner siebten Sinfonie. Der Dortmunder Generalmusikdirektor Gabriel Feltz machte daraus im siebten Philharmonischen Konzert im Konzerthaus ein "Molto molto Allegro", brauchte allein für diesen Satz fast zehn Minuten länger Spielzeit als die meisten anderen Dirigenten.

DORTMUND

, 12.03.2014, 12:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Pianist Johannes Moog war Solist im Konzert der Dortmunder Philharmoniker.

Pianist Johannes Moog war Solist im Konzert der Dortmunder Philharmoniker.

Und trotzdem klang diese sehr feierliche Sinfonie-Eröffnung so, als hätten Feltz und sein Orchester einmal tief Luft geholt und Bruckners Musik in einem großen Klangstrom wieder ausgeatmet.

Viel schneller wurde es auch in den Folgesätzen nicht: Bruckners Totenklage für Wagner mit dem besonderen Klang der vier Wagner-Tuben war eine feierliche Zeremonie, das Scherzo ein gemäßigter Tanz, das Finale hymnisch.Sehr emotional 80 Minuten brauchte Feltz für die Sinfonie. Das ist Langsamkeits-rekordverdächtig. Aber es klang nie spannungsarm, im Gegenteil hoch emotional. Feltz dirigierte auswendig, gab seinem Orchester unermüdlich Impulse, stieß riesige Klangräume auf, ließ die Philharmoniker extrem leise und laut spielen.

Bruckner ist der Wagner der Sinfonik, hörte man an diesem Abend überdeutlich. Diese Sinfonie kann in einem Konzertprogramm auch für sich alleine stehen. Die Philharmoniker hatten ein weiteres Klangmonument vorangestellt: Rachmaninoffs erstes Klavierkonzert.

Introvertierter Solist

Da war der Psychologe und Motivator Gabriel Feltz gefragt. Solist war der junge, 26-jährige Johannes Moog. - Ein introvertierter Pianist, der konzentriert spielte, dem Werk technisch gut gewachsen war, aber emotional nicht. Rachmaninow braucht einen extrovertierteren Pianisten, nicht umsonst sind die Konzerte, insbesondere das dritte Klavierkonzert, die Lieblingswerke von Lang Lang.

Pianist berührte nicht

Feltz lächelte, ermunterte, spornte immer wieder an in Richtung Klavier, aber es lief zu viel nebeneinander her zwischen dem Solopart und dem deutlich enthusiastischer musizierenden Orchester. Ein Chopin Nocturne gab's als Zugabe. Aber auch hier berührte der junge Pianist nicht.

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