Kopfnoten: Skepsis angebracht?

WITTEN Schlechte Kopfnoten als Zünglein an der Waage von Schulkarrieren - davor warnt die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Beate Gerstenberger-Ratzeburg.

von Von Susanne Linka

, 02.08.2007, 16:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kopfnoten: Skepsis angebracht?

<p>Dr. Beate Gerstenberger-Ratzeburg: Kinder brauchen Grenzen und Regeln. Linka</p>

Kopfnoten könnten beim Übergang auf eine weiterführende Schule  den Weg auf die bessere Schulform verbauen.

Solche Fälle hat die 47 Jahre alte Erziehungs- und Sozialwissenschaftlerin Dr. Beate Gerstenberger-Ratzeburg schon erlebt. Sie leitet das Institut zur Fo(e)rderung besonderer Begabungen in der Schlachthofstraße und spürt einen deutlich größeren Zulauf in ihren Konflikt-Trainings-Angeboten, seit es im Lande wieder die Kopfnoten gibt. "Die Auslegung ist das Problem", bewertet sie die Zensuren fürs Betragen und hält sie "unter dem Strich für ungerecht". Was der eine Lehrer als störend empfinde, begreife der andere nämlich mitunter sogar als bereichernd für den Unterricht.

Zweifellos gebe es sie aber wirklich, die Kinder, die ständig Chaos im Tornister haben; die Jungen, die über Tische und Bänke gehen und die Mädchen, die immer nur still vor sich hinträumen.

Grenzen und Regeln

"Manche von ihnen brauchen wegen einer besonderen Begabung eine spezielle Förderung", sagt Gerstenberger-Ratzeburger, die das Angebot ihres Institutes seit dem Jahr 2000 auf diese Zielgruppe abgestellt hat. Sie testet die Kinder auf Wunsch der Eltern und bietet Förderung an. Doch natürlich geht nicht jedes Fehlverhalten auf eine Hochbegabung und Langeweile im Unterricht zurück. Manchmal hat das Kind andere Probleme oder die Erziehung hat schlicht versagt. "Viele Eltern wollen ihre Kinder demokratisch erziehen, doch das geht nicht. Sie brauchen Grenzen und Regeln", fordert die Expertin.

Die Schützlinge ihres Instituts schließen einen Vertrag ab, in dem sie sich verpflichten, Spielregeln einzuhalten. Gutes Verhalten belohnen die Eltern daheim mit einem Sternchen-System, das in eine Belohnung mündet.

Rollenspiele

Die Erziehungswissenschaftlerin setzt auch gerne Rollenspiele ein, um den Kindern auf die Sprünge zu helfen: "Dann können sie z. B. mal sehen, wie das ist, wenn einer ständig dazwischen quatscht." Oft wollten die Kinder nämlich gar nicht stören, sondern seien nur gelangweilt.

Je jünger das Kind, desto größer der Erfolg, betont Gerstenberger-Ratzeburg. Jugendliche über 13 seien mit solchen Angeboten kaum zu erreichen.  

Das Institut zur Fo(e)rderung besonderer Begabungen betreut zunehmend auch normal begabte Kinder. Die Inhaberin denkt darum derzeit über eine Erweiterung in diese Richtung nach. Neben dem Standort Witten, an dem sie mit der Unterstützung von acht bis zwölf Freiberuflern arbeitet, gibt es zwei weitere in Solingen und Kleve. In Köln ist ein weiterer geplant. www.infobeg.de