Korngolds "Tote Stadt" neu entdecken

Musiktheater Gelsenkirchen

GELSENKIRCHEN 23 Jahre alt war Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), als seine Oper "Die tote Stadt" 1920 uraufgeführt und ein Welterfolg wurde. Dann geriet sie in Vergessenheit. Am Musiktheater im Revier stieß sie jetzt auf ein begeistertes Publikum.

von Von Heinz-Albert Heindrichs

, 01.03.2010, 18:04 Uhr / Lesedauer: 1 min
Herausragend: Majken Bjerno und Burkhard Fritz.

Herausragend: Majken Bjerno und Burkhard Fritz.

Vor den Nazis floh der Jude Korngold nach Amerika, wo er in Hollywood als Filmkomponist Furore machte (zwei Oscars), aber in Europa total vergessen wurde. Erst jetzt, im Zeitalter einer "neuen Unübersichtlichkeit" (Habermas) taucht "Die tote Stadt" wieder in den Spielplänen auf: Offenbar wird sie neu entdeckt als ein Spiegel auch unseren heutigen Befindens.

Großen, einhelligen Premierenjubel gab es im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier - nicht nur für die wirklich geniale Musik, für das bravouröse Ensemble, für die unter GMD Heiko Mathias Förster in Hochform spielende Philharmonie, sondern ganz besonders auch für das stimmige Inszenierungsteam: Thilo Reinhardt (Regie), Wilfried Bucholz (Bühne) und Gisa Kohn (Kostüme).Albtraum wird zur Befreiung

Das Stück spielt in der seit der Renaissance "toten", weil versandeten Hafenstadt Brügge. Paul, ein ehemaliger Soldat, gibt sich rückhaltlos der Trauer um seine tote Frau Marie hin. In der Tänzerin Marietta glaubt er ihr Ebenbild zu erkennen, und in der Zwangsvorstellung, in ihr Marie zu neuem Leben zu erwecken, verfällt er in Albträume, in denen er den Freund erschießt und Marietta erwürgt. Aufwachend erkennt er, dass der Albtraum ihn befreit hat, und er verlässt mit dem Freund die toteStadt.Bravo-Rufe und stehende Ovationen

Korngolds Musik, eine Gemisch aus übersteigerter Spätromantik, Wiener Jugendstilfarben wie von Gustav Klimt und Anleihen bei Puccini und den Impressionisten, gewinnt in den Albtraumszenen einen ganz eigenen Klang. Dem Sängerensemble, vor allem dem der Stargast der Aufführung, dem Tenor Burkhard Fritz als Paul, fordert sie ein hohes Maß an Intensität und stimmlichem Vermögen ab - und das Orchester, groß besetzt, hat in der Tat unerhörte Aufgaben zu bewältigen. Viele Bravos, stehende Ovationen.

Karten unter Tel. (0209) 4 09 72 00.

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