Kreative Antiwerbung von Peking bis Unna

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Die Künstler „Mio“ und „Happy Guy“ stellen am Samstag im „Tortuga“ Werke ihres gemeinsamen Projekts „Hyäne“ vor. Die beiden wollen mit ihrer Kunst ein Zeichen gegen den gesellschaftlichen Einfluss der Werbeindustrie setzen, im Zentrum ihrer Kritik stehen falsche Schönheitsideale.

von Niko Wiedemann

Unna

, 18.07.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Mio“ und „Happy Guy“ sind langjährige Freunde aus Unna. Die beiden waren ursprünglich in der Streetart-Szene beheimatet, 2011 weckte dann ein gemeinsamer Freund ihre Begeisterung fürs Malen. Noch im selben Jahr riefen die Künstler ihr Kollaborationsprojekt „Hyäne“ ins Leben, den Startschuss für ihre erfolgreiche Zusammenarbeit gab die Bildserie „Mad ideas, sad eyes and tears“, die als eine Konsumkritik zu verstehen ist.

Aufräumen mit falschen Schönheitsidealen

Mit seinen großformatigen Bildern orientiert sich das Künstlerduo an der Kunstform des sogenannten „Ad-Bustings“. „Ad-Busting“ bezeichnet die Umgestaltung von Werbung, um so deren Sinn umzudrehen oder sie ad absurdum zu führen. Werbeplakate werden dabei so verändert, dass von ihrem ursprünglichen Werbe-Charakter, dem „Branding“, nichts mehr zu erkennen ist. Das „Ad-Busting“ ist grundsätzlich eine Kritikform ohne ästhetischen Anspruch, „Mio“ und „Happy Guy“ gehen allerdings weiter. Ihnen ist es ein Anliegen, das Konzept des „Ad-Bustings“ durch bewusste Entfremdung weiterzuentwickeln: „Die Werbeindustrie missbraucht die Fotografie, indem sie oberflächliche Schönheitsideale, das äußere Erscheinungsbild, vor die Persönlichkeit stellt. Unser Ziel ist es hingegen, die Werbebotschaften in das Gegenteil umzuwandeln. Das Dargestellte soll wieder einen Charakter bekommen und so zu einem Kunstwerk werden. So versuchen wir, Konsumkritik auf eine ästhetische Art und Weise zu äußern“.

„Der Kunst sind keine Grenzen gesetzt“

Um dieses Ziel zu erreichen, bedienen sich die Künstler verschiedenster Materialien. In ihrem Atelier auf dem Breitenbachgelände arbeiten Sie mit bewährten Produkten wie Acryl und Lack, experimentieren aber auch mit schwierigen Materialien wie Wachs. Deutlich erkennbar ist dabei immer der Einfluss der Street-Art, der durch den Einsatz von grellen Farben, starken Kontrasten und Collagen zum Ausdruck kommt. Charakteristisch für ihre Kunst ist außerdem das sogenannte „Slacklining“, bei dem ein Gummiband in Farbe getaucht, gespannt und dann behutsam über das Bild gezogen wird, um das dargestellte Motiv einzurahmen.

Mit der fast schon humoristischen Bildserie „Pocketmonsters“ treiben „Mio“ und „Happy Guy“ die Entfremdung zur Spitze. Aus Werbeplakaten mit Parfum-Fläschchen entstehen abstrakte Gesichter, die Flacons werden dabei zu Bestandteilen des Gesichts umfunktioniert und so verändert, dass nur noch ihre Struktur erkennbar ist.

Erster Erfolg auf internationalem Parkett

Die Kunst von „Mio“ und „Happy Guy“ wurde mittlerweile schon in verschiedenen Ausstellungen präsentiert, beginnend mit der ersten Ausstellung in der Rotunde in Bochum im Jahr 2013, bis zu einer Präsentation im Museum für zeitgenössische Kunst in Peking. Jetzt wollen die Beiden ihre Werke auch in ihrer Heimatstadt Unna vorstellen. Am Samstag, 21. Juli, geben sie mit einer Vernissage ihr Debüt in Unna. Die Veranstaltung wird um 17 Uhr in den Ausstellungsräumen des „Tortuga“ eröffnet. Die Kneipe plant, sich in Zukunft als ein Zentrum für Unnas Kunst zu etablieren.

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