Kreativpreis "Ruhrdiamanten" erstmals verliehen

DORTMUND Für einen Wandel des Ruhrgebiets tritt das Wirtschaftsministerium NRW ein. Ein Wettbewerb für kreative Produkte - genannt "Ruhrdiamanten" - sollte neues Selbstverständnis forcieren. Am Dienstag wurden die Preisträger vorgestellt. Doch siehe da: Viele halten an Altbewährtem fest.

von Von Michael Billig

, 24.06.2008, 16:25 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Es reizt eine Jury nicht sehr, wenn es immer wieder um Fördertürme und Zollverein, Zollverein, Zollverein geht“, sagte Tillmann Neinhaus von der Industrie- und Handelskammer auf Zeche Zollern in Dortmund. Das Ruhrgebiet habe doch noch andere Anreize. Er denke dabei ans Tetraeder in Bottrop – eben Orte, die als Marke noch nicht etabliert seien, wie ungeschliffene Edelsteine. Daher komme auch der Name des Wettbewerbs: „Ruhrdiamant“.

Traditionelles ist Trumpf

Gesucht wurden Projekte, die ein zeitgemäßes Bild des Ruhrgebiets vermitteln und als touristisches Mitbringsel an zentralen Punkten der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet verkauft werden können. In diesem Sinne konnte aber keine der 117 eingereichten Arbeiten so richtig glänzen. „Entweder setzen sie sich in ironischer, gebrochener Form mit der industriellen Geschichte auseinander oder sie beschreiben traditionelle Symbole wie Kohle, Kumpel, Stahl als Realität“, sagte Neinhaus, der von beiden nicht hundertprozentig überzeugt wirkte. Jedenfalls präsentierte der Jury-Chef in fünf Kategorien nur eine Siegerin, von den 30 000 Euro Preisgeld wurden nur 15 000 ausgeschüttet. Die prämierten Produkte sind ab sofort auf Zollern und Zollverein, in der Henrichshütte Hattingen und im Gasometer Oberhausen ausgestellt. Künftig sollen sie in den Handel kommen.

Sandalen und Seide

„Die Industriekultur macht uns einzigartig.“ So argumentieren die Bochumer Alexandra Fabian und Jamshid Ahadzai. Ihr Produkt „Flipp-Potts“ brachte ihnen einen 2. Preis ein. Ähnlich sieht es Christoph Gabriel aus Castrop-Rauxel, dessen „Ruhrmobilar“ für die Veränderung steht. Der Wittener Matthias Grosche erhielt für seine Ringkollektion mit Industriemotiven einen 3. Preis. Die Kölnerin Claudia Moeller war die einzige, die einen 1. Preis ergatterte – und zwar für ein Tuch aus Seide, mit dem Jugendstilportal von Zollern als Druck in der Mitte.