Kreis Borken startet Projekt zur „Telerettung“: Im Notfall soll Notarzt telefonisch helfen

rnNotarztversorgung Kreis Borken

Die Idee der Telerettung: Patientendaten sollen im Notfall schnell übermittelt werden. Das Bundesverkehrsministerium gibt 90.000 Euro für ein Projekt im Kreis Borken. 138 Anträge gab es.

von Josef Barnekamp

Kreis Borken

, 23.12.2019, 10:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kreis Borken bekommt 90.000 Euro Förderung vom Bundesverkehrsministerium, um ein Konzept zur sogenannten „5G-Telerettung“ zu entwickeln. Hinter dem Projekt steht die Idee, Patientendaten über den derzeit schnellsten Standard mobiler Datenübertragung („5. Generation“) zu übermitteln, um im Alltag, vor allem aber im Notfall, wichtige Daten, Bilder, Laborergebnisse und Hilfestellungen übermitteln zu können.

Der Kreis Borken gehört damit zu den 50 Regionen in Deutschland, die bei dem vom Ministerium ausgeschriebenen „5G-Innovationswettbewerbs“ zum Zuge kommen. 138 Anträge waren eingereicht worden.

Klinikum Westmünsterland ist mit im Boot

Der Kreis Borken werde nun ein Konzept für 5G-basierte Anwendungen zur Patientendaten-Erfassung und -Übermittlung erarbeiten – und das in enger Abstimmung mit dem Klinikum WestmünsterlanId und der Kreisleitstelle, heißt es in einer Mitteilung. Konkret geht es darum, telemedizinische Unterstützung der Rettungskräfte für den Fall zu gewährleisten, dass ein Notarzt nicht verfügbar oder noch nicht am Einsatzort eingetroffen ist.

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Wie Heribert Volmering, Fachbereichsleiter Ordnung und Sicherheit beim Kreis Borken, erläutert, könnte das beispielsweise die Freigabe bestimmter Medikationen sein, die Rettungssanitäter erst nach einem Ok durch den Notarzt verabreichen dürfen. Laut Volmering sei ein solcher telemedizinischer Einsatz auch kein Ersatz für eine Notarztversorgung, sondern komme quasi als schnelle Hilfe obendrauf, weil manche, vielleicht lebensrettende Hilfen schon geleistet werden könnten, bevor der Notarzt vor Ort ist.

„Tele-Notarzt“ könnte bei Verlegungen hinzugezogen werden

Ein zweites Einsatzgebiet für den „Tele-Notarzt“ könnte sein, ihn bei Patientenverlegungen von Krankenhaus zu Krankenhaus zu nutzen. Hier könne im Einzelfall auf die Begleitung eines Notarztes verzichtet werden, da bei Bedarf der „Tele-Notarzt“ hinzugezogen werden könne. Dies würde zu einer Entlastung der Notarztressourcen im gesamten Kreisgebiet führen, so der Kreis Borken. „Wir wollen den Notarzt bei Verlegungsfahrten aber nicht prinzipiell abschaffen“, sagt Volmering.

Der Kreis Borken will jetzt auf einer Pilotstrecke zwischen den Krankenhäusern Borken und Vreden die derzeitige Situation des Mobilfunks mit den 5G-Versorgungsanforderungen abgleichen. Beispielsweise werden Funklöcher, wie es sie etwa entlang der Baumwollstraße gibt, aufgespürt. Außerdem soll geprüft werden, wie die dabei gewonnenen Erkenntnisse auf Strecken zwischen Vreden und Ahaus sowie Vreden und Stadtlohn übertragen werden können.

Kreis Borken: „Echter“ Notarzt soll nicht ersetzt werden

Im Gespräch mit unserer Zeitung betonte Volmering, dass das jetzt zur Förderung ausgewählte Projekt nichts mit der seit einigen Wochen in Vreden heiß diskutierten Notarztversorgung zu tun habe. Auch solle der Tele-Notarzt keinesfalls den „richtigen“ Notarzt ersetzen.

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Wie der Fachbereichsleiter weiter erläutert, sei der in dem geförderten Projekt angestrebte 5G-Standard notwendig, um große Datenmengen, wie sie bei bestimmten Verfahren nötig sind, zu übertragen. Für einfachere Dinge reiche der schon jetzt im Kreis Borken verfügbare Mobilfunkstandard aus. Im Klartext heiße das: „EKG- und Blutdruckwerte oder Videotelefonie funktioniere auch jetzt schon, bei Ultraschall hört‘s aber auf. Dafür braucht man 5G“, so Volmering.

Mit dem fertigen Konzept könnte sich der Kreis Borken um Fördermittel für die Umsetzung des Projektes bewerben. Wäre das erfolgreich, könnte er „5G-Pionierregion“ werden, in der die notwendige Infrastruktur ausgebaut werden könnte.

Notfall- und Patientenversorgung zukunftssicher gestalten

„Für uns als Kreis Borken, aber auch als Beispiel für andere ländliche Räume kann dieses Projekt einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die ärztliche Notfall- und Patientenversorgung zukunftssicher zu gestalten“, sagt Landrat Dr. Kai Zwicker zu dem Projekt.

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