Kreisgesundheitsamt ist sauer auf manche Urlaubsrückkehrer

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Reiserückkehrer aus Risikogebieten müssen sich auf das Coronavirus testen lassen. Doch längst nicht alle halten sich daran. Und manche treiben es richtig auf die Spitze.

von Sven Kauffelt

Borken

, 14.08.2020, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Beginn der Coronakrise kämpfen die Gesundheitsämter in erster Reihe, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Das hat lange besonders im Kreis Borken gut funktioniert, diesen Erfolg sieht die Behörde aber jetzt in Gefahr. „Wir beobachten gerade an vielen Stellen neue Infektionsgeschehen“, sagt Annette Scherwinski, Leiterin des Gesundheitsamtes beim Kreis. Rund zwei Drittel davon seien durch Reiserückkehrer ausgelöst worden.

„Über so ein Verhalten sind wir richtig sauer“

Das wäre nicht weiter problematisch, wenn sich die Rückkehrer an die geltenden Regeln halten würden. Und in welchem Maße einige das nicht tun, ärgert die Behördenleiterin: „Wir haben weiterhin Rückkehrer aus Risikogebieten, die sich nicht bei uns melden und so durch reine Unachtsamkeit das Virus weiterverbreiten.“ Als einen der Hotspots für neue Ausbrüche bezeichnet Annette Scherwinski den Goldstrand in Bulgarien. Dieser ist – von den dortigen Hoteliers und Tourismusverbänden auch so beworben – ein Zentrum für Party-Urlauber in diesem Sommer. „Wir beobachten, dass vor allem jüngere Rückkehrer von dort das Virus mitbringen“, sagt Scherwinski.

Urlauber meldet sich erst nach mehreren Partys

Ein Beispielfall, über den sich die Medizinerin besonders aufregt, betrifft einen jungen Mann, der vom Goldstrand zurückkam und sich nicht – wie vorgeschrieben – beim Gesundheitsamt gemeldet hat. „Obwohl er dann schon erste Symptome gezeigt hat, hat der direkt nach seiner Rückkehr noch zwei Partys besucht und mit seinen Freunden eine Shisha geraucht“, echauffiert sich die Leiterin. Erst dann habe er sich testen lassen – mit positivem Befund. „Über so ein Verhalten sind wir richtig sauer“, sagt sie, „in dem Fall haben wir auch das entsprechende Ordnungsamt eingeschaltet, denn das darf nicht ungestraft bleiben.“ In welcher Kommune der junge Mann lebt, verrät sie natürlich nicht.

Testpflicht für Reiserückkehrer

Annette Scherwinski erinnert deshalb dringend an die geltenden Vorschriften: „Wer aus einem Risikoland zurückkehrt, muss sich unmittelbar in häusliche Quarantäne begeben und mit uns in Verbindung setzen – und zwar unabhängig davon, ob ein aktueller Coronatest vorliegt. Das Gesundheitsamt entscheidet dann über weitere Maßnahmen.“

Für Reiserückkehrer aus Riskogebieten sind Coronatests mittlerweile verpflichtend und werden kostenlos an den Flughäfen angeboten. Die dortigen Stellen sind teilweise aber bereits überlastet.

Eine aktuelle Übersicht der Länder und Regionen, die als Risikogebiete eingestuft sind, gibt es auf der Seite des Robert-Koch-Instituts und www.rki.de.

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