Krieg im virtuellen Raum

Schauspielhaus Bochum

Der Krieg gegen den Terror ist schwer zu fassen. Vielleicht ist Anselm Webers Doppel-Premiere in den Kammerspielen des Schauspielhauses Bochum wegen der Komplexität des Themas nicht ausverkauft. Das Publikum bekommt jedoch mehr spannendes Thriller- als komplexes Diskurs-Theater.

BOCHUM

, 04.12.2016, 15:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Krieg im virtuellen Raum

Szene aus „Die unsichtbare Hand“ mit (v.l.) Dar (Samuel Simon, Nick (Heiko Raulin) und Bashir (Omar El-Saeidi)

Das Gerüst von Raimund Bauers Bühnenbild, in das beide Stücke dieses knapp dreistündigen Abends gefasst sind, ist ein neongrünes Rasternetz. Es erinnert an das Holo-Deck aus der Serie "Star Trek - The Next Generation" - ein Raum, in dem virtuelle Realitäten geschaffen werden können.

"Die unsichtbare Hand" des pakistanisch-amerikanischen Erfolgsautors Ayad Akhtar ("Geächtet"), das in den Kammerspielen im Bochum Schauspielhaus als deutsche Erstaufführung zu sehen ist, wirkt wie ein Stück virtuelle Realität, eine Versuchsanordnung auf Basis tatsächlicher Konflikte.

Lösegeld erspielen

Banker Nick Bright wurde von Islamisten entführt, die zehn Millionen Dollar für humanitäre Projekte erpressen wollen. Das Problem: Sie haben den falschen erwischt, Nick saß im Wagen seines Chefs.

Weil für ihn nie so viel Geld bezahlt würde, bietet er einen Handel an. Er spekuliert auf dem maroden pakistanischen Finanzmarkt so lange mit Eigenmitteln, bis er sein Lösegeld selbst erspielt hat.

West-Ost-Konflikt

Akhtars Stück illustriert, dass es in diesem neuen West-Ost-Konflikt keine eindeutigen Konfliktlinien gibt: Die Islamisten wollen ihrer Region helfen, agitieren gegen die Privatisierung von Wasser. Und Nick entpuppt sich als skrupelloser Geschäftsmann, der über gut gefüllte Schwarzgeldkonten verfügt.

Gemeinsam mit seinen Entführern feiert er hohe Gewinne, die er durch die Spekulation auf die Folgen von Terroranschlägen erzielt.

Die Darsteller, allen voran Omar El-Saeidis doppelgesichtiger Entführer Bashir, halten die Spannung durch solides, aber manchmal etwas eindimensionales Spiel am Kochen.

Beeindruckendes Solo

Durch alle Gefühlslagen spielt sich dafür in kürzester Zeit Sarah Grunert in George Brants "Am Boden". Der Monolog über eine Kampfpilotin, die nach einer Schwangerschaft zum Drohnen-Steuern "degradiert" wird, fungiert wie ein dritter Akt zum Spiel um den Krieg gegen den Terror.

Mit einer rudimentären Hauptsatz-Sprache lässt Grunert ihre Figur berichten, wie sie das Blau des Himmels gegen das Grau des Monitors eintauschen muss und dadurch verrückt wird. Paradoxerweise lässt sie gerade die Unwirklichkeit der Computer-Steuerung, die virtuelle Kriegssituation, die Distanz zum Geschehen verlieren. Großer Applaus für ein beeindruckendes Solo.

Termine: 10./16./22.12.; Karten: Tel. (0234) 33335555.