Kriminelle Jugendliche kriegen meist die Kurve

Duisburger Studie

"Klau-Kids", "jugendliche Straftäter", "Randalierer": Scheinbar immer öfter liest man von Kriminellen im Kinder- oder Jugendalter. Eine Studie aus Münster präsentierte jetzt immerhin ein beruhigendes Ergebnis: Aus den meisten Auffälligen werden später ganz unbescholtene Erwachsene - ganz ohne Polizei oder Justiz.

von Jan Falk

Münster/Bielefeld/Duisburg

, 22.05.2014, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Die kriminelle Entwicklung von Jugendlichen haben die Wissenschaftler mit einer sogenannten Langzeitstudie erforscht: Durch eine jährlich wiederholte und anonyme Befragung von rund 3400 Duisburger Jugendlichen konnten Rückschlüsse gezogen werden auf die Entwicklung der Befragten. Zu Beginn der Befragung im Jahr 2002 waren die Jugendlichen durchschnittlich 13 Jahre alt. Bis zum 20. Lebensjahr wurden immer dieselben Jugendlichen jährlich befragt, seitdem jedes zweite Jahr bis zum 24. Lebensjahr. 

Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Viele Jugendliche begehen bis zum 18. Lebensjahr mindestens einmal eine in aller Regel leichte oder mittelschwere Straftat (beispielsweise Ladendiebstahl) – dies sind rund 84 Prozent der Jungen und 69 Prozent der Mädchen.
  • Bei den meisten erledigen sich solche Episoden noch im Jugendalter ohne Eingriff von Polizei oder Justiz. Nach einem schnellen Anstieg zum Ende des Kindesalters geht die Delinquenz bereits ab dem 15. bis 16. Lebensjahr wieder weitgehend zurück.  
  • Problematisch sind die sogenannten Intensivtäter: Sie machen sechs bis acht Prozent ihrer Altersgruppe aus, begehen aber die Hälfte aller Taten und mehr als drei Viertel der Gewaltdelikte. Früher ging man davon aus, dass diese Gruppe bis in das Erwachsenenalter gewalttätig bleibt. Die Studie widerlegt diese These und zeigt, dass die Zahl der Delikte auch bei Intensivtätern – wenn auch zum Teil erst zum Ende des Jugendalters – deutlich zurückgeht.
  • Insbesondere ein erfolgreicher Übergang in das Erwerbsleben sowie stabile soziale Bindungen unterstützen den oft schwierigen Weg in die Normalität.
  • Jugendliche aus Migrantenfamilien sind in Duisburg nicht häufiger an Gewaltdelikten beteiligt als Jugendliche ohne Migrationshintergrund.
  • Das führen die Wissenschaftler auf stabile familiäre und nachbarschaftliche Bindungen, ein gutes Schulklima sowie eine erfolgreiche Ausbildung zurück. Die Orientierung an traditionellen und religiösen Werten bedeutet außerdem oft weniger Alkoholkonsum und ein gemäßigteres Freizeitverhalten
  • Gewaltfilme erhöhen die Neigung, Gewalttaten zu begehen. Der Konsum steigert die Befürwortung von Gewalt - und je stärker Gewalt befürwortet wird, desto häufiger kommt es zu Gewalttaten.
  • Strafen schrecken nicht ab – im Gegenteil: Haftstrafen können den Kontakt zu gewaltbereiten Gruppen fördern und soziale Bindungen schwächen. Die Forscher empfehlen deshalb, strafrechtliche Eingriffe auf das Notwendige zu beschränken.
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