Kritik an Bogestra und 310-Ausbau wird lauter

Proteste beim Spatenstich

Zu teuer, zu laut, zu wenig Nutzen und zu viel Belastung – zum Start des Ausbaus der Straßenbahnlinie 310 stehen die Zeichen weiterhin auf Diskussion und Konfrontation. Am Freitag enthüllte die Bogestra vor der Rudolf-Steiner-Schule das Bauschild für die Linienerweiterung. In knapp drei Wochen werden dort neben den Klassenräumen der Oberstufenschüler die ersten Bagger anrollen.

BOCHUM

von Von Eva Mühle

, 21.09.2012, 18:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anfang der Woche kam heraus, dass die im Mai 2011 veröffentlichen Kosten nicht ansatzweise gehalten werden. Nicht 35,3 Millionen (Netto) wie in einer Bogestra-Broschüre angegeben, sondern 60 Millionen Euro soll der Ausbau inklusive der Steuern nun kosten. Die Nachricht stieß sofort auf große Empörung: Die FDP-Ratsfraktion spricht von einem „unerträglichen Zahlenwirrwarr“ und kritisiert die schlechte Planung der Bogestra. Der Ausschuss für Umwelt, Verkehr, Sicherheit und Ordnung reagierte sofort und setzte das Thema nachträglich auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung, wie Lothar Gräfingholt (CDU) mitteilte. Die Soziale Liste forderte umgehend Antworten von Seiten der Stadt und der Bogestra. Die wich beim Spatenstich aber erstmal aus. „Unser Zeitplan und das Budget verpflichten“, sagte Schlotzhauer. Mehr nicht.

Antworten fordern auch die Mitglieder der Interessensgemeinschaft gegen den Straßenbahnbau Langendreer. „Das ist Betrug. Wir fühlen uns von der Bogestra vor vollendete Tatsachen gestellt. Wer weiß, wie teuer das Projekt am Schluss wirklich wird?“, so Anwohnerin Renate Mücher. Mit provokanten Slogans demonstrierten die Bahn-Gegner auch gestern gegen das Bauvorhaben. Ganz andere Sorgen haben die rund 150 Oberstufenschüler der Waldorfschule. Ihre Klassenräume befinden sich in zwei Pavillons, die direkt an der Straße liegen – und damit in direkter Nachbarschaft zum künftigen Baulärm. Vor einer Woche haben sie deshalb eine Unterschriftenaktion gegen den Lärm und für Schallschutz an ihrer Schule gestartet, die sie jetzt der Bogestra vorlegen wollen.

„Wie sollen wir lernen, wenn nebenan ein Presslufthammer dröhnt?“, fragt Schülersprecher Dominik Moritz. Der 17-Jährige ist in der 12. Klasse. Das Abi steht 2013 an. „Wir fordern bis zum Ende der Herbstferien einen mobilen Schallschutz, um so ruhig wie möglich lernen zu können“, so Moritz. Neben viel Kritik gab es gestern aber auch Lob für die Bogestra. Wenn der Ausbau in fünf Jahren fertig sein sollte, fährt eine stufen- und damit barrierefreie Niederflurbahn auf der Strecke. Ein Plus für die ältere Generation, findet Anwohner Theodor Kraushaar, denn: „Mobilität ist Lebensqualität“.