Kritik an Vorgehen bei Gemeindehaus-Schließung

Runder Tisch

Fragen, Sorgen, Handlungswille: Mit Verständnislosigkeit haben engagierte Gemeindeglieder des Netter Bezirks in der evangelischen Noahkirchengemeinde auf den Beschluss des Presbyteriums reagiert, das Gemeindezentrum in Nette zum 31. Dezember 2017 zu schließen. Ein Runder Tisch fordert Transparenz.

NETTE

, 29.03.2016, 14:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Gebäude an der Joachim-Neander-Straße wird von der Gemeinde wegen seiner modernen, vielfältig nutzbaren Räume geschätzt, soll aber geschlossen werden.

Das Gebäude an der Joachim-Neander-Straße wird von der Gemeinde wegen seiner modernen, vielfältig nutzbaren Räume geschätzt, soll aber geschlossen werden.

„Wir haben Fragen und legen Wert auf qualifizierte Antworten“, erklärt Werner Mühlbrodt. Deswegen haben die Mitglieder des Runden Tisches an das Presbyterium geschrieben. „Die Menschen müssen begreifen können, warum es so gekommen ist.“ Defizite in den Gemeindehaushalten zwingen die Gemeindeleitung zum konsequenten Sparen. Sonst drohe eine Haushaltssicherung. Gleichzeitig bestehe allein am Gemeindehaus in Nette – so Pfarrer Gerhard Springer in der Informationsveranstaltung Anfang Februar – ein Sanierungsbedarf von 500.000 bis 600.000 Euro.

Jetzt lesen

„Es wurde aber nur von der Kostenseite argumentiert und nicht, wie es mit dem Gemeindeteil weitergehen soll“, kritisiert Dr. Heinrich Mönnighoff. Der Runde Tisch verweist auf die ungeklärte künftige Unterbringung der zahlreichen Gemeindegruppen. Kirchenmusik, Kinder- und Jugendarbeit, zwei Frauenhilfe-Vereinigungen prägen das Leben der aktiven Gemeinde. Hinzukommen unter anderem besondere Angebote wie ein Repair-Café, ein Demenz-Arbeitskreis oder „Nette liest“.

Viele Faktoren würden nicht berücksichtigt werden

„Bitter aufgestoßen ist uns die Argumentation, dass der Investitionsbedarf in Bodelschwingh, Mengede und Westerfilde so gering ist“, moniert Mönnighoff. „Uns gefällt die platte Argumentation nicht.“ Aus Sicht des Runden Tisches seien Argumente, die für einen Erhalt des Netter Gemeindezentrums sprechen, nicht berücksichtigt worden. Werner Mühlbrodt räumt durchaus Überkapazitäten an kirchlichen Räumen ein, die es aufgrund der Entwicklungen in den christlichen Kirchen nicht nur in der Noahgemeinde gibt.

Er verweist aber auf die zentrale Lage Nettes in der Noahgemeinde. „Das Gemeindezentrum ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln von allen Gemeindeteilen aus gut zu erreichen. Wir verfügen außerdem über einen multifunktionalen Kirchsaal mit Nebenräumen auf einer Ebene. Nicht zuletzt ist Nette sozialer Brennpunkt.“ Unberücksichtigt sei auch die Nähe zum Schulzentrum.

Runder Tisch wartet auf Antwort des Presbyteriums

„Deswegen finde ich mich mit dem Beschluss auch noch nicht ab“, betont Cornelia Stuhm. Ebenso viele Netter Bürgerinnen und Bürger, haben Mönnighoff und Barbara Scheerer in Gesprächen mit Kunden in ihren Apotheken festgestellt. „Jetzt kommen die Flüchtlinge und die Kirche macht die Türen zu“, berichtet Mönnighoff von Reaktionen. Barbara Scheerer sammelt in ihrem Geschäft Unterschriften für den Erhalt des Gemeindehauses. „Als ich das auch im Umfeld eines Gottesdienstes machen wollte, bin ich dringend darauf hingewiesen worden, das nicht im Gemeindehaus zu tun.“

Gespannt blicken die Mitglieder des Runden Tisches der Antwort des Presbyteriums entgegen. Mit einem Brief an alle Haushalte des Gemeindeteils wollen sie über die Schließung informieren und die Unterschriftensammlung weiterführen. Mönnighoff: „Wir machen uns Sorgen und wollen Stimme der Menschen in der Gemeinde und ihrem Umfeld sein.“