Kröck inszeniert Flüchtlingsdrama „Lampedusa“ berührend

Schauspielhaus Bochum

Die innere Distanz aufgeben, mitfühlen. Sollte man das in der aktuellen Flüchtlings-Krise tun? Diese Frage kann sich der Zuschauer von "Lampedusa" in den Kammerspielen Bochum stellen.

BOCHUM

, 13.03.2016, 13:39 Uhr / Lesedauer: 1 min
Juliane Fisch und Raiko Küster in „Lampedusa“

Juliane Fisch und Raiko Küster in „Lampedusa“

Dem aktuellen Chef-Dramaturgen und baldigen Interims-Intendanten Olaf Kröck gelingt darin als Regisseur, was auf der Bühne einst gefordert war. Seine Figuren berühren unmittelbar - durch einen Wendepunkt in ihren Geschichten: der ehemalige Fischer Stefano, der vor Lampedusa Leichen havarierter Flüchtlinge aus dem Wasser fischt; Denise, die in Leeds für eine Wucherkreditfirma Schulden eintreibt.

Es sind Elend und Armut an Europas Außengrenzen und aus der Mitte des Kontinents, die der britische Autor Anders Lustgarten zum Thema macht. Doch statt nach dem politischen Überbau dieser reichen Gesellschaften zu fragen, deren soziale Netze immer grobmaschiger werden, stellt er exemplarisch zwei Menschen vor.

Resignation und Wut

Raiko Küsters Stefano ist die Resignation ins Gesicht geschrieben. Müde, voller an Verachtung grenzender innerer Distanz fischt er die Leichen aus dem Wasser, für die symbolhaft die nassen Kleider auf der gefluteten Bochumer Kammerbühne stehen (Bühne: Dorothea Lütke Wöstmann).

Bei Juliane Fischs Denise triefen aus jeder Geste und jedem Wort Abscheu und Wut. Bis bei beiden Figuren eine Freundschaft alles verändert.

Kröck gelingt das Kunststück, ein monologisches Stück lebendig werden zu lassen und zutiefst zu berühren. Seine sehenswerte Inszenierung entfacht Gefühle, die anderes Nachdenken über die Flüchtlings-Krise ermöglichen.

Termine: 24.3., 1./ 10./30.4., Karten: Tel. (0234) 33335555.

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