Krystian Zimerman wirft neues Licht auf Schuberts Musik

Klavier-Festival Ruhr

Er ist schnell auf die Palme zu bringen und deshalb immer für einen überraschenden Auftritt gut. Vor knapp drei Jahren erregte Krystian Zimerman großes Aufsehen, als er sein Konzert mitten im Stück unterbrach, weil er sich von Zuschauern mit dem Handy gefilmt wähnte. Er protestierte gegen "die Vernichtung der Musik durch Youtube".

ESSEN

, 16.05.2016, 15:26 Uhr / Lesedauer: 1 min
Krystian Zimerman war bereits zum neunten Mal beim Klavier-Festival zu Gast.

Krystian Zimerman war bereits zum neunten Mal beim Klavier-Festival zu Gast.

Kein Wunder, dass sich das Publikum Freitagabend in der Philharmonie Essen fragte, was dieses Mal passieren würde. Doch Zimerman blieb wortlos auf der Bühne.

Gut gelaunter Pianist

Bloß ein wiederholtes demonstratives Hüsteln als ironischen Seitenhieb auf das zwischen den Sätzen ausgiebig hustende Publikum konnte sich der 59-jährige Pole nicht verkneifen. Bei einem anderen seiner nunmehr neun Auftritte beim Klavier-Festival Ruhr war ihm aus gleichem Grund auch schon einmal der Kragen geplatzt. Doch an diesem Abend tritt Zimerman sichtlich gut gelaunt auf die Bühne.

Geschlagene 25 Jahre haben seine Fans darauf gewartet, dass sich Zimerman wieder dem Œuvre Franz Schuberts widmet. 1991 hatte er Schuberts Impromptus auf CD eingespielt. Nun stehen Schuberts letzte beiden großen Sonaten in A-Dur und B-Dur auf dem Programm.

Zimerman hat die tiefen Abgründe in der Musik des sterbenden Schubert mit all seiner Verzweiflung, der überraschenden Heiterkeit und der allgegenwärtigen Gesanglichkeit bis in die letzten Winkel ausgeleuchtet. Er summt und dirigiert sich zuweilen selbst beim Spiel und es gelingt ihm in beglückender Weise, ein überraschend neues Licht auf diese so zahlreich aufgeführten Werke zu werfen. Bravo!