Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Künstler Jan Köthe sucht neue Inspirationen

Umzug nach Berlin

Die Koffer sind gepackt. Der Umzugswagen ist bestellt. Für Jan Köthe und seine Familie kann das große Abenteuer Berlin beginnen.

KIRCHHÖRDE

von Von Christian Stein

, 22.04.2011
Künstler Jan Köthe sucht neue Inspirationen

Jan Köthe und seine Kunst.

Nach 45 Jahren verlässt der Künstler seine Heimat Kirchhörde und zieht in die Landeshauptstadt. „Ich weiß nicht warum, aber ich habe das Dortmund-Gefühl verloren“, gesteht der gebürtige Bonner. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge, so sagt Köthe, verlässt er den Ruhrpott in Richtung Spree. „Berlin ist eine aufregende, pulsierende Stadt, in der ich neue Inspirationen suche“, verrät der Künstler und steckt sich eine selbstgedrehte Zigarette an. Ein Indianer ziert die Verpackung seines Tabaks. Ähnlich wie der amerikanische Ureinwohner trägt Jan Köthe sein Haar lang. Mehrfach geht er mit seiner Hand durch die Wuschelfrisur. Er ist ein lockerer Typ. Das schwarze Hemd, das er bei diesen frühlingshaften Temperaturen trägt, ist bis zur Brust aufgeknöpft. Darüber der Schatten des Drei-Tage-Barts. Gewachsen ist auch die Sehnsucht nach einer neuen Herausforderung. „Ich fühle mich ein wenig entwurzelt. Wir Künstler brauchen ab und zu Luftveränderung“, erzählt das Mitglied vom Kirchhörder SC. Seit zwei Jahren spielt Jan Köthe bereits mit dem Gedanken, andere Luft zu schnuppern. Nicht sicher war, ob es eher der Duft von frischen Weißwürstchen in München oder feurigeren Currywürstchen in Berlin werden sollte.

Familie Köthe entschied sich für Letzteres. „Berlin ist eine internationale Stadt mit einer Affinität für die Kunst“, schwärmt das Familienoberhaupt, das sich noch auf Immobiliensuche befindet. Es soll ein kleines, aber feines Häuschen sein. So wie das Noch-Atelier an der Bozener Straße 23. Seit 1859 steht dort das Haus Flinsbach. Ende April rücken hier die Abrissbagger an. Das altehrwürdige Gebäude soll dem Erdboden gleich gemacht werden. „Bis dahin“, sagt Jan Köthe, „muss ich hier raus“. Werke, die der Künstler in den vergangenen Jahren mit viel Zeit und Liebe geschaffen hat, stehen derzeit zum Verkauf. Wie es der Zufall will, schaut sich gerade eine ältere Dame in der Ausstellung des 46-Jährigen um. „Dieser Frau“, erzählt Köthe, „habe ich vor etwa 15 Jahren eine meiner ersten Stahlskulpturen verkauft.“

Diese Skulptur steht heute noch immer in ihrem Garten, verrät sie. Ihre Worte an Jan Köthe, als sie dieses Mal mit leeren Händen das Atelier verlässt: „Ich wünsche Ihnen alles Gute für Berlin.“ Der Künstler bedankt sich, schüttelt mit seiner rechten Hand die der Dame. In seiner linken Hand hält er eine Zigarette hinter seinem Rücken versteckt. Jan Köthe ist zwar ein lockerer Typ, aber auch einer, der weiß, was sich gehört und der weiß, wo seine steile Karriere begonnen hat – in Kirchhörde.