Künstler mit Gespür für Farbe und Raum

Ehemaliges Ostwallmuseum Dortmund

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) belebt das ehemalige Museum Ostwall in Dortmund mit einer großen Ausstellung, bevor es 2018 zum Baukunstarchiv NRW wird. Mit Thomas Kesseler füllt ein einziger Künstler alle 19 Räume des alten Museums. Eintönig ist das trotzdem nicht. Ganz im Gegenteil.

DORTMUND

, 14.01.2016 / Lesedauer: 2 min
Künstler mit Gespür für Farbe und Raum

Das „Rennende Mädchen“ entstand 1995.

"Skulptur - Farbe - Raum" lautet der Titel der Ausstellung, die sich im spannenden Bereich zwischen Architektur und Kunst bewegt. Der Düsseldorfer Künstler und Architekturprofessor Thomas Kesseler schafft in den wunderbaren Ausstellungsräumen des ehemaligen Museums mit Arbeiten aus 30 Jahren Bezüge zwischen Plastiken und Bildern, zwischen Architektur und Kunstwerken, zwischen Objekt und Raum.

In der Region ist der Meisterschüler von Erwin Heerich eher bekannt durch die Gestaltung vor allem sakraler Räume. In Dortmund, Unna, Villigst, Bochum und Essen entwarf er Farb-, Licht- und Ausstattungskonzepte für Kirchen und andere Räume.

Eine große Fläche Ultramarinblau

Schon beim Betreten des Lichthofs im Zentrum der Dortmunder Ausstellung wird der umfassende Kunstbegriff Kesselers sichtbar. Eine große Fläche Ultramarinblau hüllt den Betrachter quasi ein und "macht den Raum 25 Grad wärmer", wie der Künstler meint. Das liege an dem hohen Rotanteil der Pigmente. Eine fast körperliche Farberfahrung, von der sich der Blick schwer lösen lässt.

Er wird jedoch wie magisch gelenkt hoch zu einem Werk im Umlauf auf der ersten Etage, in dem sich das tiefe Blau wiederfindet. Mehr als zehn Meter lang und zweieinhalb Meter hoch ist der "Wal", der durch die fünf Durchbrüche zum Innenhof zu erahnen ist.

Dieses Bild lässt sich in dem schmalen Gang nur im Vorbeigehen erfassen. Es zieht den Betrachter vom Türkisgrünen bis in schwarzblaue Tiefe, die vollkommen einfängt und hineinzieht in die Welt des Meeresriesen.

Intensität der Farben

Für die unglaubliche Intensität der Farbe und die Plastizität der Oberfläche nutzt Kesseler eine spezielle Technik, eine Mischung aus Öl und Farbpigmenten auf Wachsuntergrund. Pigmente spielen überhaupt eine große Rolle. Er schwärmt für alte Rezepturen, für Lapislazuliblau, Karminrot oder Krapplack.

Auch seiner Bronzeplastiken bearbeitet er auf althergebrachte Weise und verschafft ihnen mit Schwefelleber oder Pferdeurin eine besondere Patina. Auch sie stehen stets im Dialog untereinander und mit ihrer Umgebung.Susanne Riese

Ehemaliges Museum Ostwall Dortmund, Ostwall 7: "Thomas Kesseler: Skulptur - Farbe - Raum", 15.1. (Eröffnung heute, 19 Uhr) bis 14. 2., Mi-Fr 14-18, Sa/So 11-18 Uhr.