Kulturelle Vielfalt des Buchmarkts ist bedroht

VG-Wort-Urteil

Die Verlagsbranche in Nordrhein-Westfalen steht vor einem Umbruch. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass bis zu zehn Prozent der Kleinverlage in nächster Zeit vom Markt verschwinden", prognostiziert Gabriele Schink, die NRW-Regionaldirektorin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Grund dafür ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs.

DÜSSELDORF

, 06.12.2016, 18:58 Uhr / Lesedauer: 1 min
Kulturelle Vielfalt des Buchmarkts ist bedroht

Gabriele Schink, Regionaldirektorin Börsenverein des Deutschen Buchhandels, prognostiziert, dass zehn Prozent der Kleinverlage in NRW vom Markt verschwinden werden.

Wie berichtet, teilten die Verwertungsgesellschaften (VG) Wort sowie Bild und Kunst ihre jährlichen Ausschüttungen der Nutzungsvergütungen unter Autoren und Verlagen auf. Nach einem Urteilsspruch sollen Verlage jetzt nichts mehr bekommen. Rückwirkend bis 2012 müssen sie das Geld zurückzahlen. Es geht um hohe Summen, die mancher Kleinverlag nicht aufbringen können wird.

Einhergehen wird die Schwächung der Branche mit Einschnitten in der kulturellen Vielfalt des Buchmarktes. Darüber einig waren sich auch die Vertreter von Verlagen, die gestern zu einer Gesprächsrunde in der Düsseldorfer Geschäftsstelle des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zusammengekommen waren.

Risiken nicht mehr tragbar

"Für zukünftige Veröffentlichungen bedeutet das, dass man interessante Buchprojekte nicht realisiert, weil man das finanzielle Risiko nicht mehr tragen kann", sagt Ulrike Rodi vom Dortmunder Grafit-Verlag. Der Verlag hat vier Mitarbeiter und positioniert jährlich 20 neue Titel auf dem Markt. "Künftig wird man darauf schauen müssen, welche davon das Geld für die Miete wieder reinholen", so Rodi. Das Urteil treibe überdies einen Keil zwischen Verleger und Autoren.

"Nein, Verleger sind in der Realität eben nicht die Menschen, die den Tag damit verbringen, ihr Geld zu zählen. Aber so wirkt es auf Außenstehende", stellt Barbara Budrich klar, die seit zwölf Jahren mit dem Leverkusener Wissenschaftsverlag "academic" am Markt ist.

Und Jürgen Kron vom Droste Verlag sieht in dem Urteil auch eine Geringschätzung des verlegerischen Schöpfungswertes. Gabriele Schink: "Wir müssen die Politik mit ins Boot holen - nicht nur auf Landesebene."